Kaunertal, Mai - Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 20/2

Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 20/2

Die Fundstelle liegt oberhalb des hierortigen Grundwasserspiegels und ist auf einer festen und sich ohne grosse Verwerfungen oder Einschübe bis zum Bachbett verlaufenden Felsnase angesetzt, wobei der nischenartige Charakter insbesondere durch die in die Felsnase eingearbeitete Rückwand und den 5 cm nach vorne, bodenbildenden Saumstreifen deutlich zu Tage tritt. Die bearbeitete Rückwand weist in ihrer gesamten Breite von 93,70 cm und einer Höher zwischen 26, 40 cm und 27, 25 cm eine strikte senkrechte und lotgenaue 90° Ausführung auf. Geologisch gesehen haben wir es im Kaunertal, vor allem in den tieferen Tallagen mit Augengneis zu dem, dem vor allem zu den Hängen hin Biotitplagioklasgneis folgt.

Die Gegenüberstellung der Untersuchungsergebnisse der Aufschlüsse im Kaunertal und am Riffelsee zeigt folgendes:

a) In Hinsicht auf Pi (B = N 70—80° W) und P2 (B = N 70—80° E) ist der Biotitplagioklasgneis beider Bereiche homogen (vergleiche D 1 und D 7) und ein s/B-Tektonit. örtliche Abweichungen sind durch ein fallweises Vorherrschen des Planes Pi oder P2 gegeben. Im allgemeinen überprägen sich beide B-Achsen auf s. Eine altersmässige Trennung der beiden Faltungsachsen konnte nicht durchgeführt werden.

Der Augengneis hat mehr den Charakter eines B-Tektonites nach Pi, während b-achsiale Formung nach P2 unterdrückt erscheint.

b) Die s-Flächenverstellungen sind in beiden Gesteinen syngenetisch den jeweiligen gemessenen b-achsialen Prägungen.

c) Die in Biotitplagioklasgneis und Augengneis herrschenden Fugensysteme sind ihrer Anlage nach den Plänen Pi und P2 zuzuordnen; ein betontes Kluftpolmaximum für ac-Klüfte nach P2 im Augengneis scheint ein B-Maximum nach P2 in diesem Gestein zu ersetzen.

Der Augengneis baut ein grosses Gewölbe auf, dessen Scheitel in den von der

Stange 2709 m über die Rostitzscharte 2799 m zum Rositzkogel 3392 m ziehenden Grat liegt.

Im Kaunertal ist im Biotitplagioklasgneis durch opazitische Substanz s des diese Substanz enthaltenden Ausgangsgesteines abgebildet. Die Frage, ob die opazitische Substanz primär sedimentär abgelagert wurde, oder ob eine andere Art des Wachstums der opazitischen Substanz in einem festen Gestein vorliegt, kann aus den vorhandenen Dünnschliffen nicht entschieden werden. Durch die Faltung der opazitischen Substanz, die in Glimmer-Kristalloblasten als Si nachweisbar ist und die anscheinend mit den vorgenannten Deformationsplänen, dem heutigen Grossbau des Gebirges zusammenfällt, ist vorkristalline Deformation nachgewiesen.

Im Hinblick auf die sich ergebenden petrotektonischen Zusammenhänge im Vergleich mit dem von F. KARL 4 aufgezeigten b-achsialen Bau in anderen Gebieten in den Ostalpen und mit eigenen unveröffentlichten b-achsialen Untersuchungen in anderen Bereichen ergibt sich, dass an der Prägung der, die opazitische Substanz enthaltende Falte, und an der Prägung der Falten der verschiedenen alpidischen Teilformungsakte Deformationspläne gleicher Richtung wirksam waren.

geologie kaunertal, arteologie, dr. arkadaschDie bearbeiteten Räume am Riffelsee und im Kaunertal liegen unweit nördlich der von O. SCHMIDEGG2 beschriebenen Mittelbergschlinge im zentralen Ötztaler-Kristallin. Auch in den von mir bearbeiteten Räumen wurden steilstehende B-Achsen, die als Feinfältelungen auf s ausgebildet sind, beobachtet und gemessen. Der Großbau der Schiefergneise und des Augengneises folgt jedoch den flach liegende B-Achsen prägenden Deformationsplänen. Nach Angabe von O. SCHMIDEGG ist der Nordteil der Mittelbergschlinge bereits von flach liegenden Falten aufgebaut. Für die Schiingenzone wird vorkristalline Deformation angegeben.

Es besteht mit den von mir untersuchten Räumen Übereinstimmung.

Rein petrographisch ergaben sich in den Biotitplagioklasgneisen durch bandartige durchziehende Anreicherungen von kleinkörnigem Granat, die sedimentär bedingt sein dürften und durch Knollenbildungen, die dem Habitus nach als Pseudomorphosen nach Granat aufzufassen sind, zu den von L. K. RATSCHILLER beschriebenen Gesteinen vom Südrand des Ötztaler-Kristallins Parallelen, die eine weitere Untersuchung wünschenswert erscheinen lassen würde.

Die Frage nach der Art des Ausgangsgesteines des Biotitplagioklasgneises, die durch das Vorhandensein der opazitischen Substanz, die Pseudomorphosen nach Granatkristallen und die bandartige Anreicherung von kleinkörnigen Granaten angeregt wird, konnte im Rahmen dieser Arbeit nicht untersucht werden.

(©Geol. Bundesanstalt, Wien; Konrad Mignon, Innsbruck, 1950 – 1953)