Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 20/3
Es sei an dieser Stelle ganz besonders noch einmal der Universität Innsbruck gedankt, und zwar insbesondere dem Institut für Paläontologie und Geologie für die zeitnahe und problemlose Bereitstellung der oben zitierten Dissertation von Dr. Konrad Mignon aus dem Jahr 1948. Denn durch den Fund der beiden Cult-Objecte die nebeneinander, paarweise angeordnet in einer behauenen und händisch geglätteten Felsennische aufgestellt waren, ergaben sich wesentliche und neue Fragestellungen zum insgesamten metallurgischen Wissen und dessen handwerklicher Umsetzung im Nordtiroler Raum. Dazu war im ersten Schritt eine genaue Datierung der Funde notwendig, um so die entsprechende chronologische Einordnung in die bisherigen Fundstücke gleichstrukturierter oder artifiziell konzipierter Cult-Objecte von anderen Nordtiroler Fundstellen durchführen zu können. Nur so kann es gelingen den artefaktionellen Impetus in der Genese der Entstehung sowohl vom Gestalterischen, als auch vom Manufakturellen her stringent zu argumentieren, und in eine schlüssige chronologische Ablauffolge – auch vom sozioedukativen Standpunkt aus – zu implementieren.
Für diese Datierung mussten vor den metallurgischen Analysen die möglichst genauen Umgebungsmilieus im anorganischen und auch organischen Bereich in einer weitestgehend taxativen Annäherung dedektiert werden, um dergestalt dann, unter Einbeziehung der inneralpinen, klimatischen Abläufe über die Errodierung des Metalls die Parameter einer zeitlichen Zuordnung nachvollziehbar zu definieren. Diese Arbeiten wurden vom Institut für Paläontologie und Geologie der Universität Innsbruck, unter Leitung von Prof. Dr. Emil Andreotti durchgeführt, wobei wesentliche Teile der petrotechnischen Grundlagen der Dissertation von Dr. Konrad Mignon zur Anwendung kamen.
Zudem war es notwendig die bisherigen Funde von Cult-objecten – die in ihrer Gesamtgestaltung eine auffallende Gemeinsamkeit in Grösse, Material und wahrscheinlicher Funktionalität aufweisen – zu komparieren, um so eindeutig festzulegen welcher Prozess einer Kreierung sich als tendenzielle, artefakturelle Entwicklung im Bezug auf einer in der nordtiroler Besiedelungshistorie zuordenbaren prozessualen Exposition manifestieren lässt.
Die beiden Cult-Objecte der Fundstelle Kaunertal sind dem ausklingenden Arteologischen Zeitalter, bzw. dem beginnenden Hocharteologischen Zeitalter (sh. Chronological Table of Arteologie, Dr. Arkadasch Dag; Institut für Arteologie; Freie Universität Izmir) zuordenbar und gelten somit als die bisher letzten (jüngsten) der bisher in Nordtirol vorgefundenen Cult-Objecte. Dies wird auch durch die gestalterische Formengebung dieser Funde bestätigt, die generell, sowohl vom handwerklichen her, als auch vom artifiziellen aus betrachtet, eine klare Weiterentwicklung der bisherigen Formensprache darstellen (vgl. hiezu die bisherigen Fundungen von Cult-Objecten an den Grabungsstellen Inntal, Wipptal, Stubaital und Lechtal).
Die metallurgische Analyse an sich hat keinerlei relevante Änderungen in der mineralogischen Zusammensetzung des verwendeten Metalls ergeben. Es handelt sich hiebei um eisenhaltige Verhüttungsprodukte, deren Ursprünge den üblichen und schon bisher bekannten (sh. „Erzabbau und Verhüttungstechniken im Alpenraum“ von Martin Klaus Mitterberger, Montanuniversität Leoben, 1967, Seite 168 ff) Erzvorkommen eindeutig und nachvollziehbar zuzuordnen sind. Es ist somit davon auszugehen, dass die Verarbeitung dieser verhütteten Metalle durchaus im täglichen Leben der eingeborenen Bevölkerung durchgeführt wurde, wobei aber anzumerken ist, dass es sich hiebei um eine klare Spezialisierung in Form von teilweise arbeitsteiligen Gestaltungsprozessen handelt. Inwieweit diese handwerkliche Spezifikation den sozioedukativen Gesamtcharakter der damaligen Gemeinstruktur widerspiegelt, bedarf weiterer und eigehender Untersuchungen.