Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 20/6
Die endgültige Freilegung sowohl der beiden T-förmigen Cult-objecte, als auch der drei münzgrossen, kreisrunden Flachmetallstücke dauerte auf Grund der metreologischen Gegebenheiten (es wurde mit der notwendigen Sorgfalt vorgegangen, welche bei derartigen Fundungen obligat ist) bis zum 21. Juli 1997. Vor der endgültigen Bergung der Funde wurde vom Gesamtensemble der drei münzgrossen, kreisrunden Flachmetallstücke ein Negativabguss aus Gips vorgenommen, um dergestalt weiterführende Analysen aus der direkten Verortung der Fundstücke am Grabungsort vornehmen zu können, insbesondere im Hinblick auf ihre arteologische Relevanz im Bezug auf die beiden T-förmigen Cult-objecte. Alle drei münzgrossen, kreisrunden Flachmetallstücke liegen plan in Form eines Dreiecks direkt vor den beiden reihig ausgerichteten T-förmigen Cult-objecten, und zeigen alle drei mit der – von nun so bezeichneten – Aussenseite nach oben. Durch die idente Oberflächengestaltung dieser drei Artefakte ist davon auszugehen, dass wir es hierbei mit seriell angefertigten Objekten zu tun haben. Dies belegen auch die nahezu identen mechanischen Verwendungsspuren in Form einer mit relativem Kraftaufwand zugefügten Knickung nach oben (in Richtung der gestalteten Oberfläche) zur Aussenseite hin.
Während bei den ähnlichen Funden im August 1982, an der Fundstelle „Inntal“/Nordtirol zwar eine gänzlich andere Oberflächengestaltung der Aussenseite zu vermerken ist, wurden auch dort die entsprechenden Knickungen bei allen dergestaltigen Fundstücken festgestellt. Der wesentliche Unterschied ergibt sich jedoch aus der dortigen, eindeutig nachweisbaren mechanischen Zweckverbundenheit mit dem dortigen Cult-object 1 (sh. „Inntal, Juni – August 1982, Ausgrabungsprotokoll 10, 11 und 12“), wobei die Zackenstruktur der Flachmetallstücke passgenau in den ringartigen Flachmettallreifen mit stielartigem Holzgriff zu einem hebelartigen, mechanischem Vorgang vereint werden konnte, der in seiner endgültigen Ausführung zu eben jenen Knickungen führte, die sich an jedem einzelnen kreisrunden Flachmetallstück explizit nachweisen lassen.
Diese artfizielle Einheit in Form einer mechanischen Verwendbarkeit ist bei den kaunertaler Funden ausgeschlossen. Zwar weisen auch die beiden T-förmigen Cult-objecte im Bereich der Überkreuzung der Querachse und der senkrechten Haltevorrichtung eine vordergründig passgenaue und verwendungsentsprechende, zu den bei den kreisrunden, münzgrossen Flachmetallstücken vorgegebenen 21 Zacken als Negativform passende, und auch einrastbare, doppelte Metalldorne auf, diese sind aber mangels eines mechanischen Gegenpols, der als Hebelpunkt für eine Knickung dienen müsste, vom mototechnischen Standpunkt aus absolut unverwendbar.
Der Aussendurchmesser der blechartigen Flachmetallgebilde beträgt 2,50 cm. Die kleinzackige Aufrandung belegt auf Grund ihrer strengen Regelmässigkeit einen durchaus vorhandenen Ansatz zu einer industrialisierten Fertigungstechnik, welche vermuteter weise auch für eine Fertigung von größeren Stückzahlen dieser Objekte geeignet war. Die Zackenanzahl beträgt 21. Die gesamte Randhöhe 0,70 cm oder auch 7 mm. Der komplette Rand scheint farblich unbehandelt zu sein und lediglich eine Art von Polierung erhalten zu haben. Die kreisrunde Fläche der Außenseite wurde mit roter Farbe (anorganisch) grundiert. In einem zweiten Schritt wurde eine 21 mm – wohl korrelierend zu den 21 Zacken – im Durchmesser betragende goldfarbige Kreisfläche aufgetragen, welche als Trägermaterial für schriftartige Symbole und eine Art von heraldischem Schmuckzeichen dient.
Die oberste Zeile wurde entlang der natürlich vorgegebenen Rundung des Kreises geführt und besteht insgesamt aus 17 Zeichen, die sich wiederum in drei unterschiedliche Gruppen aufteilen. Die Symmetrie der Menge wurde entsprechend einer gedachten Halbkreissegmentierung angelegt, nach der sich sowohl alle schriftartigen Zieragen, als auch das heraldische Schmuckzeichen ausrichten. Die erste Symbolgruppe umfasst 9 unterschiedliche Zeichen, wobei sich zwei Zeichen in der zweiten symbolgruppe, die aus drei Zeichen besteht, wiederholen. Die dritte Gruppe – bestehend aus 5 Zeichen, beinhaltet drei Zeichen, die auch bei den beiden vorangegangenen Symbolgruppen vorkommen. Alle Zeichen wurden mit schwarzer Farbe aufgetragen und weisen keinerlei direkte Verbindung untereinander auf. Lediglich ein erweiterter Abstand (im Ausmass eines Symbols), trennt die drei Symbolgruppen. Anzumerken ist, dass diese Beschreibung auf einer von links nach rechts fussenden Betrachtungsart basiert, wobei durchaus vorstellbar ist, dass genauso gut eine umgekehrte Sichtung zielführend erscheint.
Direkt folgend der Symmetrielinie schliesst sich nach einem kurzen Abstand das heraldische Schmuckzeichen an. Im Zentrum davon befindet sich eine schildartige Grafik, die auf der linken Seite von vier Längsstreifen, abwechselnd in den Farben Rot und Weiss gehalten, gebildet wird, während die rechte Seite mit sieben Querstreifen in Schwarz und Weiss gestaltet wurde. Ornamentale, florale, rankenartige Gebilde, in schwarzer Farbe ausgeführt, umrahmen dieses schildartige Zentrum dessen gesamthöhe 0,35 cm beträgt.
Es folgt eine Abstand von 0,21 cm an den sich wiederum schriftartige Symbole anschliessen, die insgesamt nach oben maximal 0,42 cm aufragen, beziehungsweise einmal eine Unterlänge von 0,15 cm aufweist. Insgesamt besteht diese Gruppe aus dreizehn Zeichen (Primzahl!), wobei zwei Zeichen jeweils dreimal in dieser Gruppe wiederholt werden. Auch hier weist kein Symbol eine direkte Verbindung zu den anderen Symbolen auf. Die Ausformung erscheint senkrecht (ohne jede Neigung oder Rundnung), ausgeführt in der gleichen schwarzen Farbe wie die bereits oben genannte Dreiergruppe.
Links der Symmetrieachse beginnend folgt eine weitere schriftartige Symbolgruppe, bestehend aus vier Zeichen, wobei sich innerhalb dieser Gruppe kein einziges Zeichen wiederholt. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass diese Gruppe in sich linear zusammenhängend ist, in roter Farbe mit schwarzen, dünnlinigen Einschattierungen gestaltet und eine Höhe von 0,29 cm aufweist. Zudem schafft sie mit einer schlaufenartigen Verwebung eine direkte Verbindung zur darüber liegenden, von ihrer Strichstärke her visuell vorherrschenden Symbolgruppe.
Es folgt ein dieser vierzeichigen Symbolgruppe entsprechender, identer Abstand von 0,29 cm, dem sich eine letzte Zweiergruppe von schriftartigen, schwarzfarbigen Symbolen anschliesst.
Diese Zweiergruppe besteht aus einem Block von vier und einem von fünf Symbolen, die eine Gesamthöhe von 0,15 mm aufweist.
Sämtliche schriftartigen Symbolgruppen, sowie das heraldische Schmuckzeichen richten sich entlang einer gedachten Symmetrieachse aus.
Am rechten Rand wurde bei allen drei kreisrunden, münzgrossen Flachmetallstücken eine deutliche Knickung festgestellt, welche aber keinem vor Ort gefundenen werkzeugähnlichem Artefakt direkt zugeordnet werden konnten.
Auch auf der Innenseite befindet sich diese Knickung (konkav). Der „Boden“ dieser Innenseite ist mit weißem, anorganischem Material beschichtet und weist an eine zweiteilige, symbolhafte Beschriftung auf (Nummerierung? Kennzeichnung?), wie sie bereits in ähnlicher Weise bei den Fundungen im Inntal/Nordtirol (1982) nachgewiesen wurden. Der Innendurchmesser am Boden der kleinzackigen Aufrandung beträgt 2,35 cm und der Durchmesser innert des latenten Wölbungskreises 1,80 cm.