Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 21
In Anbetracht der relativen Kleinheit des Grabungsgeländes zeigte sich die Ausgrabungsstätte im Kaunertal als immens ergiebig. Neben der nahezu vollständig erhaltenen Stele samt Nische wurde nicht nur ein dem Rituellen eindeutig zuordenbarer Platz im Vorfeld der Nische (und südseitig gestützt durch [nur mehr in fragmenatarischen Ansätzen teilweise erhalten] Trockenmauern) exploriert, sondern auch eine artefaktorelle Kultstätte aus einem paarweise angeordneten T-förmigen Cult-object samt davorliegenden 3 kreisrunden Flachmetallstücken ausgegraben, welche eindeutig dem gesamtarteologischen, bisherigen Befund sämtlicher Grabungen in Nordtirol, sowohl von der Systematik her, als auch der chronologischen Zuordnung innert der Genese der transalen und insistalen Migrationsströmungen und den damit verbunden Assimilationen (vom bisherigen Standpunkt aus als überwiegend unkriegerisch zu bewerten) entsprechen.
Dies ist umso erstaunlicher, als dass die geografische Abgeschiedenheit und die durch den alpinen Charakter vorgegebene Unzugänglichkeit nicht unbedingt auf eine derartig reiche Befundung im Vorfeld der eigentlichen Grabungen schliessen liessen.
Das Expertenteam um Dr. Arkadasch Dag stellte sich die Frage, ob daher an diesem Platz weiterführende Grabungsarbeiten sinnvoll wären, oder ob davon auszugehen ist, dass zum grösstenteil die relevanten Fundungen als abgeschlossen betrachtet werden können. Durch das doch starke mediale und vor allem das persönliche Interesse der umgebenden Bevölkerung – es hatte sich mittlerweile ein reger Zustrom von regelmässigen Beuchern entwickelt -, sowie dem ungebrochenen Eifer der durch die bisherigen Fundungen hochmotivierten Hilfsgrabungskräfte, entschloss sich das Team noch eine weitere Woche anzuhängen und hier speziell den Übergangsbereich zwischen dem Abhang hin zum Faggenbach und der, zumindest teilweise durch die Aufbringung von Schottern aplanierten Ebene zu untersuchen. Hierbei erleichterten die bisherigen Sondierungsgrabungen im Parallelverfahren ein rasches und effizientes Arbeiten, sodass bereits nach drei Tagen der westliche Bereich des Grabungsgeländes als Nullbereich kartographiert werden konnte.
Am Morgen des 30. August 1997 setzte starker und dauerhafter Regen ein. Um den noch verbleibenden Bereich der Geländekante zwischen Sondierungsgraben IV und Sondierungsgraben V vor Verfall und Verschlammung zu schützen wurde umgehend versucht zeltartig, mit Planen, diesen Geländeabschnitt niederschlagsfrei zu halten, um so einerseits die nötigen Drainagierungsmassnahmen in Richtung Faggenbach trockenen Hauptes durchzuführen und andererseits diesen letzten Abschnitt auch bei Schlechtwetter in den nächsten Tagen abarbeiten zu können. Dazu wurden hölzerne Pflöcke in den Boden getrieben, an denen dann Querverstrebungen angebracht wurden, die in weiterer Folge von der Plane in Form eines Satteldachs überspannt werden sollten. Bei dieser Arbeit kam es zu einer kleinräumigen Rutschung an der westlichen Grabenkante des Sondierungsgraben IV die in relativer Oberflächennähe einen humanoiden Fund freigab.
Sofort wurde dieser Bereich fürsorglich in einem Geviert abgedeckt und die Nylonbahn an ihren Rändern mit Steinen beschwert. Zuvor jedoch hatte das Erstbergungsteam um Mag. Sophia Nikoladis noch rasch Bodenproben rund um die humanoide Fundung entnommen, da insgesamt grosse Skepsis herrschte, ob diese Fundung tatsächlich in einem direkten arteologischen Zusammenhang mit den bisherigen Fundungen steht. Die Aufregung der eingeborenen Hilfskräfte war zwar mehr als verständlich, doch Dr. Arkadasch Dag wies in einem eilends einberufenen Informationsmeeting für sämtliche Mitarbeiter umgehend darauf hin, dass zuerst sämtliche wissenschaftlich – arteologischen Parameter geklärt werden müssen, ehe mit einer weiteren Bergung an dieser Stelle fortgefahren werden kann. Diese Untersuchungen wurden vor Ort an der mobilen Grabungsleitstelle von Dr. Arkadasch Dag durchgeführt.