Kaunertal, Mai - Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 21/5

Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 21/5

Bedingt durch die Wettersituation (es wurden bereits für den Nachmittag und die darauffolgenden Tage wieder länger anhaltende Regenschauer prognostiziert) beschloss das Team um Dr. Arkadasch umgehend mit der Bergung des humanoiden Fundes zu beginnen, auch wenn dies den medialen und kommunikativen Nachteil beinhaltete, auf eine direkte Berichterstattung vor Ort durch die lokalen Medien und den staatlichen Fernsehsender ORF (Österreichischer Rundfunk) weitestgehend verzichten zu müssen. In der ursprünglichen Protokollierung des Grabungsvertrages mit dem Land Tirol (vertreten durch die zuständige Landesrätin für Kunst und Kultur) war jedoch vereinbart worden, dass im Hinblick auf den Bildungsauftrag dieser medialen Einrichtung, bereits vorab die Dienststelle des Landesstudio Tirols des ORF über Bergungen von humanoiden Funden zeitgerecht zu verständigen sei, um dergestalt eine filmische Dokumentierung der Bergung zu gewährleisten. Bedingt durch den zu erwartenden und längerfristigen Regen, erreichte Herr Herwig Angerer, in seiner Funktion als offizieller Expeditionsfotograf und Fundaquarellieur, nach entsprechenden Telefonaten mit den zuständigen Behörden und den Verantwortlichen des Landesstudio Tirols (ORF), dass vom vereinbarten Passus des Grabungsvertrages einvernehmlich abgesehen wurde, unter der Auflage, dass sämtliches Bildmaterial vor einer medialen Veröffentlichung vorab dem ORF Tirol unentgeltlich zur Verfügung zu stellen ist. Diese Vereinbarung gilt jedoch nicht für rein wissenschaftlich-arteologische Bilddokumentationen. Diese verbleiben im alleinigen Urheberrecht des Arteologischen Instituts der Freien Universität Izmir.

Dank der Routine des Bergungsteams wurde rasch der mittlerweile in allen technischen Belangen hochgefahrene Bergungscontainer mit Hilfe eines Traktors eines eingeborenen Bauern vom zentralen Lager neben der Volksschule Nufels zum Grabungsgelände verbracht, installiert und an die externe Notstromversorgung angeschlossen.

Die Fundstelle selbst wurde über die Mittagszeit grossräumig abgesperrt und mit entsprechend verzurrten Planen vor eventuellem Regen und/oder Sonneneinstrahlung abgesichert. Zudem ernannte Herr Herwig Angerer zwei eingeborene Hilfskräfte zu fotografischen Assistenten. Dies diente zum einen der Miteinbeziehung der örtlichen Arbeitskräfte in den Bergungsablauf und zum zweiten einer nachhaltigen Vermeidung von negativen Emotionen infolge eines vermeintlichen Ausschlusses der einheimischen Menschen vor Ort, wenn es um anscheinend wirklich relevante Fundbergungen geht: mag dies auch aus wissenschaftlich-arteologischer Sicht äusserst unprofessionell erscheinen, so hat sich diese Vorgangsweise im Nachhinein als absolut sinnvoll erwiesen, da dadurch eine weiterführende emotionale Partizipierung der Bevölkerung vor Ort mit der Geamtzielsetzung der Expedition „Kaunertal“ erfolgte.

schutzanzug, bergung humanoide funde, dr. arkadasch, arteologieSämtlichen Personen innerhalb der Absperrung wurde ein genetischer Mundabstrich entnommen, um späterhin etwaige Verunreinigungen ausschliessen zu können. Zudem war das Tragen von Ganzkörperschutzanzügen, Atemschutzmasken und Schutzbrillen obligat. Vor dem Betreten der eigentlichen Fundstelle durchschritten sämtliche an der Bergung beteiligten Personen eine Desinfektionswanne und waren angehalten per Unterschrift die Einhaltung der einschlägigen Bergungsvorschriften zu bestätigen.

Diese Vorgangweise stellt eine grundlegende Neuerung zu den bisherigen Verfahrensabläufen einer humanoiden Bergung dar, gilt aber mittlerweile als der standardisierte Ablauf im Umgang mit biologisch-organisch wertvollen Fundungen.

Die Bergung als solche erfolgte dann zügig und ohne besondere Vorkommnisse, wobei das Regenfenster zudem durch anhaltenden Sonnenschein die Arbeitsabläufe insgesamt wesentlich erleichterte.