Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 21/6
Die Bergung dieses humanoiden Fundes, es handelt sich dabei um eine rechte Hand, war somit die erste Bergung, welche unter den neuen arteologisch-archäologischen Prämissen für den Umgang mit humanoiden Funden im Bereich einer Erstversorgung eines Fundstückes getätigt wurden.
Die hier im Ausgrabungsprotokoll verwendeten und freigegebenen Fotografien der Fundung wurden sämtlich bei der Erstentdeckung angefertigt und stellen somit den vermuteten Wissensstand einer irrelevanten kollateralen Blindfundung dar, wobei angemerkt wird, dass bereits nach einer ersten genaueren optischen Analyse sowohl von Dr. Arkadasch Dag, als auch der Entdeckerin Mag. Sophia Nikoladis der Relevanzgrad dieser Fundung auf das AHDP übliche Setting gegradet wurde.
Folgende Vorgangsweise wurde dann für die Bergung diese humanoiden Fundstückes angewandt und gleichzeitig von Herrn Mag. Christopher Mandelson sowohl akustisch mit Hilfe eines Diktafons, als auch schriftlich [stenografisch] festgehalten sowie von unserem Expeditionsfotografen Herrn Herwig Angerer bilddokumentarisch begleitet:
1. Das abgesperrte Grabungsgebiet wird topografisch eingenordet und vermessen.
2. Das gesamte Areal wird mitarbeiterfrei gestellt und unter Verwendung entsprechender Relevanzgrössen (standardisierte Vermessungslatten, aktuelle Tageszeitung) fotografisch erfasst.
3. Erst dann wird dieses Areal vom Bergungsteam betreten, wobei bereits im Vorab sowohl die zuführenden Wegstrecken, als auch die Transportwege und eventuellen Fluchtwege, besprechen und eingesichtet werden.
4. Die gesamte Bergungsmannschaft ist mit Schutzkleidung, Atemschutzmasken, Schutzbrillen und Handschuhen ausgestattet.
5. Desgleichen wurden sämtliche Werkzeuge, Transportbehältnisse und der Bergungscontainer desinfiziert, wobei für die direkte Bergung nur fabrikneue Werkzeuge, die zudem sterilisiert wurden, zur Verwendung gelangen.
6. Sowohl das umgebende Lagerungsmaterial des Fundes, als auch eventuell spezifische botanische und geologische Vorkommen im näheren Fundungsumfeld, werden entsprechend geborgen und gelagert, um so auch späterhin sparten- und fächerübergeifende wissenschaftliche Untersuchungen zu gewährleisten.
7. Das Grabungsgebiet selbst wurde erst eine Woche nach der Bergung und mehreren nachfolgenden forensisch-arteologischen Untersuchungen wieder allgemein freigegeben.
Allgemein kann festgestellt werden, dass entgegen den Erwartungen einer vermehrt auftretenden Ungeduld bei den eingeborenen Grabungskräften durch den doch weitgehenden Ausschluss von den direkten Grabungs- und Bergungsarbeiten – so mussten sich sämtliche nicht zum direkten Bergungsteam und seinen wissenschaftlichen Beratern gehörenden Personen ausserhalb der relativ grossräumigen Absperrung aufhalten – gerade diese strenge und strikte arteologisch-archäologische Vorgangsweise bei der Bergung bei den einheimischen Hilfskräften zu einem vermehrten Respekt und einem empathischen Grundverständnis ganz allgemein führte. Gerade das äussere Erscheinungsbild von Professionalität (hier wohl durch die Schutzanzüge und den detaillierten formalen Ablauf vermittelt) entsprach hier weitestgehend den milieuimanenten Erwartungen der eingeborenen Bevölkerung, und führte so zu einer verstärkten Akzeptenz und gesteigerten Wertigkeit dieser arteologischen Expedition insgesamt. Dies zeigte sich auch in den nachfolgenden Medienberichten, da sowohl die für diese Expedition angeheuerten eingeborenen Arbeitskräfte, als auch die einheimische Bevölkerung rund um Nufels,
mit Begeisterung und Stolz in ihren Aussagen den Bergungsvorgang als solchen, als auch den Ablauf und die Umsetzung der Expedition mit grossem Wohlwollen schilderten. Dass sich hierbei einmal mehr eine spontane Namensgebung für den humanoiden Fund in Anlehnung an die bisherigen arteologischen Expeditionen in Nordtirol, ergab, muss zum einen als populärwissenschaftlicher Exkurs betrachtet werden, und zum anderen dient die Benennung der humanoiden Funde nach ihrer geographischen Fundstelle – der Fund wird als „Kauni“ bezeichnet – mittlerweile auch der offiziellen arteologischen Kategorisierung.