Kaunertal, Mai – Oktober 1997, Ausgrabungsprotokoll 21/9
Folgende Erstanalysen und Untersuchungen wurden bis Ende Oktober 1997 an dieser rechten, maskulinen Extremität durchgeführt:
1. Dermatologische Untersuchungen anhand der Gewebeentnahmen an der Epidermis und Dermis (tiefer führende Schichten bieten hier keinerlei analytische relevante Datenbereiche, da bereits ab dem Stratum retuiculare [Netzschicht] durch die verwendeten Mumifizierungsmaterialen und – techniken keinerlei verwertbare subcutane Schichten erhalten sind.
2. Paläopathologische Untersuchungen. Diese dienen der genuinen Zuordenbarkeit innerhalb eines bestimmten ethischen Habitatsgefüges, so wie einer komparativen Diagnostik im Bereich der speziellen Abnutzungserscheinungen durch länger andauernde manuelle Tätigkeiten (Arbeit, Handwerk, Landwirtschaft, Administration…)
3. Anthrolpologische Untersuchungen mit dem Ziel einer genauen Verortung der Individualität, sowohl im Gemeinschaftsgefüge der umgebenden zeitentsprechenden Sozietät als auch im Gesamtkontext der historisch bedingten Umfeldethnien.
4. Bioforensische Untersuchungen: Diese erfolgten in einer Zweiteilung. Zum einen wurde gezielt nach botanischen und floralen Hinweisen gesucht, welche eine möglichst lückenlose Beweisführung für die Gesamtchronologie dieser rechten, maskulinen Gliedmasse erlauben; und zwar sowohl zu Lebzeiten des Trägers dieser rechten Hand, als auch für diese rechte vordere Extremität post mortem, einschliesslich Balsamierung/Mumifizierung und dauerhafter Verwahrung bis zum Fundungszeitpunkt.
Zum zweiten wurden sämtliche mineralische und anorganischen Spuren welche sich sowohl im direkten Umfeld der Fundstelle befanden, als auch an der Hand selbst, mit verschiedensten Methoden (Spektroskopie, Polymeranalytik, CSB…) untersucht. Der Schwerpunkt hierbei richtete sich vor allem auf jene Rückstände welche unter den Fingernägeln sämtlicher fünf Finger dieses Fundstückes entnommen wurden.
5. Röntgenologische Untersuchung: um das Innere des Fundstückes röntgenographisch zu erfassen
Der überwiegende Teil dieser Untersuchungen wurde an den Einrichtungen der Universität Innsbruck durchgeführt. Dies bedingte den Vorteil auf lange Transportwege verzichten und so eventuelle Risiken des Transports ausschliessen zu können. Die Aufrechterhaltung eines stabilen, der Fundsituation entsprechenden Mikroklimas ist eine unabdingbare Voraussetzung um werterhaltend und nachhaltig diesen humanoiden Fund für weitere Forschungen zu bewahren. Die möglichst lückenlose Bereitstellung dieser Grundlage wurde mit Hilfe des Bergungscontainers und seiner implementierten Konservierungsmöglichkeiten als erstem wichtigem Schritt eingeleitet und fand seine Fortsetzung am Pathologischen Institut der Universität Innsbruck.
Nach Abschluss der Erstanalysen werden sämtliche humanoide Funde – so wie auch dieser Fund – einer Gesamtpolyglacialisierung unterzogen, um dergestalt eine von aussen durch Temperatur, noch durch Licht, Gase oder Feuchtigkeit zufügbare Schädigung auszuschliessen. Zudem bietet eine Polyglacialisierung einen durchaus starken Schutz gegen mechanische Einwirkungen aller Art.
Bereits mit dem ersten humanoiden Fund im Raum Nordtirol durch die arteologische Expedition von 1992 wurde vom Team um Dr. Arkadasch Dag diese bahnbrechende Methode entwickelt und gilt seitdem als Standardverfahren bei der dauerhaften Konservierung von humanoiden Funden. Zudem ist dadurch sicher gestellt, dass auch nachfolgende Beforschungen am Originalobjekt jederzeit möglich sind, ohne dabei einen Gesamtverlust der Fundung in Kauf nehmen zu müssen.