Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 2
Das Pitztal, so wie es heute topografisch gegrenzt wird, umfasst eine Fläche von 312,82 km², wobei 91,3 % der Fläche nicht als Dauerbesiedelungsraum geeignet sind. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 7450 Einwohnern entspricht dies einer Bevölkerungsdichte von 23,82 Bewohnern je km². Vergleicht man diese Daten mit Ägypten, welches hier ob seiner extremen geografischen Lage entlang einer Flussoase in den sonst unwirtlichen Rossbreiten, durchaus als Vergleich herangezogen werden kann, noch dazu bei einem Prozentanteil von vier Prozent bewohnbarer Fläche im Bezug zur Gesamtfläche des Staates, so wird bei einer ägyptischen Bevölkerungszahl von 80,36 Personen je km² rasch deutlich, von welch unwirtsamer Gesamtsituation in klimatischer und bevölkerungstechnischer Hinsicht wir im direkten Alpenraum ausgehen müssen.
Das Gros der Bevölkerung lebt im Pitztal in vier Gemeinden und teilweise weit abseits in verstreuten Gehöften und Gehöftgruppen.
Der vordere Teil des Pitztals wird von den Gemeinden Arzl und Wenns gebildet und formt einen durchaus als idyllisch zu bezeichnenden Talausgang mit sanft ansteigenden Wiesen und Brachgeländen in Südwesten den Übergang zum Piller Sattel. Der weiterführende Talabschnitt bildet ab einem deutlich sichtbaren Geländeknick gegen Südosten hin bis zum Ortsteil Zaunhof ein enges V-Tal. Dem folgt die typische Gletscherausformung als Trogtal in Form eines U-s. Der Talabschluss wird von zwei Gletschern gebildet; dem Mittelbachferner und dem Taschachferner. Bis zur Eiszeit floss der Inn von Prutz über die Piller Höhe und erst mit dem Ende der Eiszeit konnte der Inn die Enge bei Pontlatz durchbrechen und sein heutiges Flussbett einnehmen.
Das Pitztal durchtrennt den Gebirgszug der Ötztaler Alpen die sich zwischen dem Wipptal, dem Vinschgau (Italien, Alto Adige) und dem oberen Inntal erstrecken. Überwiegend besteht dieser Gebirgszug aus Gneisgesteinen, die bei der Bildung der Alpen aus anderen Gesteinen gewandelt wurden.
Bei der fussläufigen Erkundungsexpedition im Jahre 1989 wurde die gesamte Länge des Tales, beginnend von seiner Mündungsstelle der Pitze (aber auch im Bereich der heutigen Wegestruktur westlich dieser Einmündung) bis hin zu den Ausläufern der Gletscher am Talende, akribisch nach arteologischen Gesichtspunkten erfasst und in den Folgejahren wissenschaftlich ausgewertet. Dabei wurde vor allem auf alte und oftmals noch mündlich überlieferte Sagen und Volkserzählungen zurück gegriffen, wobei hier einmal mehr dem Expeditionsfotografen und Aquarellisten Herwig Angerer für seine einfühlsame und verständnisvolle Kommunikationsführung mit den Eingeborenen vor Ort ganz speziell zu danken ist. Seinem uneigennützigen Engagement ist es zuzuschreiben, dass anfängliche Scheu und vereinzelt auftretende Ressentiments gegenüber „fremdländischen“ Wissenschaftlern nach und nach überwunden, und erstmalig auch die bisher nur oral weitergegebenen Mären und Sagen verschriftlicht wurden und einer eigenständigen Sammlung zugeführt werden konnten (Herwig Angerer, “Pitztaler Sagen und Mären – eine volkskundliche Sammlung“, Edition Tirolensis, Innsbruck 1990).
Im Zuge dieser fussläufigen Expedition wurden zwar auch in den hinteren Talbereichen vereinzelt Plätze von theoretischer arteologischer Bedeutung lokalisiert, doch hier ergaben die vergleichenden Analysen im Kontext mit den Gesamtdaten dieser Expedition keine weiteren primären Notwendigkeiten für eingehendere Untersuchungen vor Ort. Sowohl die geografischen als klimatischen Bedingungen lassen bis auf wenige halbnomadische Viehtriebaktivitäten keinerlei relevante Schlussfolgerungen auf transistale und/oder insistale Wanderbewegungen über eine längeren arteologischen Zeitabschnitt zu.
Daher wurde das Hauptaugenmerk auf den vorderen Talbereich verlegt, und hier insbesondere auf den Übergang über die Piller Höhe, auch Piller Sattel genannt.