Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 3
Die Piller Höhe (oder auch Piller Sattel) kann mittlerweile von drei Ortschaften per schmaler, asphaltierter Strasse erreicht werden und verbindet auf einer Passhöhe von 1559 m. ü. M. sowohl das Oberinntal mit dem Pitztal und stellt gleichzeitig einen schon seit Jahrtausenden benützten Übergang zwischen dem relativ parallel verlaufenden Kaunertal im Westen und dem vorderen Bereich des Pitztales dar. Heute besteht eine direkte Strassenverbindung zwischen den Ortschaften Kauns (Kaunertal) und der Gemeinde Wenns im Pitztal.
Vor mehr als 100 000 Jahren bildete das Tal des Piller Sattels bis zum Ende der letzten Eiszeit die direkte Fortsetzung des oberen Inntals.
Historisch belegt wurde der Piller Sattel bis in das erste Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts, trotz seines steilen Anstiegs von Seiten des Oberinntals aus, häufig als Abkürzung für transistale Wanderbewegungen vom Engadin (Schweiz) her über das vordere Pitztal nach Imst (Inntal) benützt.
Das Gelände im Bereich der Passhöhe weist zahlreiche kleine Hochmoore auf. Das namensgebende Piller Moor befindet sich circa 2,5 km nordöstlich der Passhöhe. Die Entfernung zwischen den Ortschaften Wenns (Pitztal) und Kauns (Kaunertal) beträgt fussläufig etwa 17 km, wobei sich die Erkundungsexpedition im Jahr 1989 ausschliesslich auf den Streckenbereich Wenns bis zur Passhöhe beschränkte. Obwohl sich im Bereich der Passhöhe vereinzelt Merkmale einer arteologischen Relevanz offenbarten, kam das Team nach mehrmaligen, stichprobenartigen Untersuchungen zum Schluss, dass es sich bei diesen Bereichen um vorwiegend archäologische Aufgabenstellungen handelt, welche primär von den entsprechenden Experten vorab zu beurteilen und aufzuarbeiten wären.
Diese Ansicht bestätigte sich in den Jahren von 1992 bis 1996, als im Auftrag der Universität Innsbruck eingehende Untersuchungen am Piller Sattel durchgeführt wurden. Dabei wurde eine hallstattzeitliche Kultanlage entdeckt. Deren Zentrum bildet ein 3 x 3,50 m grosser Steinaltar, der mit für Brandopfer verwendet wurde. Die Umgebung dieses Altars ist mit Steinplatten gepflastert. Das Zentrum dieser Kultstätte bildet ein großer Aschehügel mit einem Längsdurchmesser von 15 Metern, einem Querdurchmesser von 12 Metern und einer Höhe von 2,5 Metern. Er ist zur Gänze aus Asche und zerkleinerten Knochen der Opfertiere aufgebaut. Westlich des Aschehügels befindet sich im Erdreich der Hauptalter, der eine Größe von 3 x 3,5 Metern aufweist. Ab dem 15. Jahrhundert v. Chr. (Mittlere Bronzezeit) bis zum Ende der Hallstattzeit wurden Pflanzen, aber auch Tiere (Rinder, Schafe und Ziegen) geopfert. Ab dem 6.Jahrhundert v. Chr. Wurden überwiegend Sachopfer wie Schmuck, Werkzeug. Landwirtschaftliche Gerätschaften, Miniaturschilde aus Bronzeblech und Waffen geopfert. Die Gegenstände wurden sowohl kultisch zerstört als auch unversehrt geopfert. In römischer Zeit (ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr.) verlagerte sich das Opfergebahren auf die Hingabe von Münzen (insgesamt wurden etwa 1000 Stück gefunden). Nach dem Stil ist klar zwischen inneralpinen, sowie venetischen (norditalienische Landschaft um das heutige Venedig) und keltischen Opfergaben zu unterscheiden.
Diese archäologische Fundung belegt einmal mehr in eindrucksvoller Weise, wie eng und teilweise überschneidend die Forschungsbereiche der Archäologie und der Arteologie sich ergänzen und erweitern. Nur eine Feldforschung über institutionelle und scientive Begrenzungen hinaus, vermag jene Antworten zu geben, die weiterführend als Fundament die erforderliche Basis einer umfassenden Grundlagenbewertung erst ermöglichen.