Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 4
Nachdem das Pitztal im Jahr 1989 in den Sommermonaten fussläufig vom Taleingang bis zu den beginnenden Vergletscherungen im Hinblick auf arteologisch relevante Fundungsstellen erkundet war, wandte das Team um Dr. Arkadasch im September 1989 seinen Focus auf jene Mittelgebirgsstufe, welche sowohl den fruchtbarsten Siedlungsraum dieser gesamten Talschaft darstellt, als auch als ursprüngliches Zugangsgebiet für jene Wanderungsbewegungen fungierte, welche – zumeist fussläufig – den Übergang über die Piller Höhe (= Piller Sattel) benutzten. Da bis ins Zeitalter der beginnenden Industrialisierung die Wegtrassierung sich überwiegend an die topografischen Vorgaben einer Landschaft zu halten hatte, mit Ausnahmen von städtebaulich und/oder kultisch bedingten Repräsentationsbaumassnahmen (wie etwa Prozessionsalleen, Strassenführungen welche kalendarisch nach Sonnen- und Mondständen ausgerichtet wurden …) und mitlitärischer Infrastruktur (die Strassenbauten der Römer, Grenzwälle, Fortanlagen …), wurden die meisten Wegführungen entlang von Wasserläufen, natürlichen Geländekanten und dergleichen angelegt. Speziell im Gebirge ist dabei die vorgegebene Landschaftsformung aus Bergstöcken und Tälern eine nahezu unausweichliche Planungsvorgabe, die erst in unserer heutigen Zeit und deren technischen Möglichkeiten des Tunnel- und Brückenbaus eine bis dato unbekannte Erweiterung erfährt.
Die schmalen Täler der Ostalpenregion geben somit die Streckenführung in ihrer Längsrichtung als permanente Wegkonstante vor, die lediglich durch die Fliessgewässer in der Talsohle lokale Trassierungsnotwendigkeiten – wie Nutzung einer höher angelegten, wasserresistenten Wegführung, oder Überbrückung des Gewässers um den Weg am jenseitigen Ufer weiter zu führen – aufweist.
In wegtechnisch eher kleinstrukturierten Geländen, wie hier in den Ostalpen, mit wenigen, langen Talstrecken, die durch keinerlei Seitenzuläufe durch Täler gekennzeichnet sind, stellen die Kreuzungspunkte von Wegführungen mithin die arteologisch interessantesten Bereiche dar.
Das Team um Dr. Arkadasch grenzte daher den Bereich südlich der Gemeinde Wenns für nähere Geländeanalysen ein: Im wesentlichen verlief die nördliche Begrenzung dabei dem Wasserlauf des Grillerbachs folgend, bei dessen Einmündung in die Pitze nach Süden (im Gemeindegebiet von Jerzens) weiter verlaufend, um dann südlich des Pillerbachs , den Matzlewald mit einbindend, weiter in Richtung Piller Höhe zu verlaufen. Die heutige Abzweigung der Piller Landesstrasse von der Pitztal Landesstrasse wurde dabei nicht mit eingeschlossen, da diese Abzweigung direkt im dicht verbauten Gebiet der Gemeinde Wenns liegt und somit von zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinerlei arteologischen Zugang aufweist.
Zudem wurden von der Zentralen Metrologischen Anstalt des Landes Tirols (ZMAT) mehrerer Luftbildaufnahmen für optische Geländeanalysen zur Verfügung gestellt, wobei hier insbesondere die Aufnahmen aus dem Jahr 1956 sehr hilfreich waren, da hier sowohl noch eine deutlich geringere Verbauung als auch infrastrukturelle Durchwirkung der ursprünglichen landwirtschaftlich genutzten Flächen vorhanden war.
Das Hauptaugenmerk dieser fussläufigen Erkundungen lag daher auf den Fliessstrecken des Piller Baches und des Grillerbachs, wobei sich rasch bei genauerer Analyse der geologischen Bodenstruktur herausstellte, dass eine sinnvolle Wegführung vor der Zeit der Automobilisierung sich aufgrund der Geländespezifikationen mit hoher Wahrscheinlichkeit ab dem Gebiet des heutigen Ortsteils Bichl nach dem Verlauf des Grillerbachs gerichtet hat und erst ab dann in Richtung Piller Bach weitergeführt wurde. Zudem mündet bereits vor der Einmündung des Grillerbachs in die Pitze ein kleiner Bach von Südwesten kommend in den Grillerbach und bietet somit eine gesicherte Wegeposition abseits von eventuellen Geschiebeprozessen bei Hochwasserständen der Pitze.