Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 6
Am südlichen Ortsende von Wenns durchschneidet der Grillerbach diese Mittelgebirgsstufe von West nach Ost und mündet heute knapp zweihundert Meter östlich der Pitztal Landesstrasse in die Pitze. Nahezu parallel zur Pitztal Landesstrasse führt ab dem südlichen Ende von Wenns (Ortsteil Sankt Margarethen) östlich eine einspurige Strasse, die nach einem dem Verlauf des Piller Baches folgendem Knick bis zur Pitze führt und dort flussabwärts bis zu den Pillerhöfen führt und von dort weiter zum Unterdorf der Gemeinde Wenns. Kurz nachdem dieser Seitenweg im Mündungsbereich des Grillerbachs in die Pitze den Grillerbach überquert hat, erfolgt auch ein Brückenschlag über die Pitze zur östlich der Pitze gelegenen Gemeinde Jerzens. Zugleich verläuft bis zum südlichen Teil des Weilers Greith in einem ungefähren Abstand von hundertfünfzig Metern westlich zur Pitztal Landesstrasse die Trassierung der Piller Landesstrasse, ehe sie von dort an sich dann nach Westen und zum Piller Sattel hin erstreckt.
Derartige chronologisch gewachsene Infrastrukturknotenpunkte sind generelle Hotspots der Arteologie, da die Trassenführungen dieser Verkehrswege nicht auf den planerischen Absichten einer jetztzeitigen Zielsetzung beruhen, sondern vielmehr die über einen langen Zeitraum erforderlichen Anpassungen an von der Natur vorgegebene Verkehrsmöglichkeiten widerspiegelt. Eine Führung von drei unterschiedlichen Trassierungen in einer nahezu parallelen Wegführung innert einer Breite von weniger als zweihundert Metern widerspräche grundlegend jeder Form einer ökonomischen Verkehrsgestaltung unserer heutigen Zeit. Vielmehr belegt diese Anlage der Verkehrswege eine gewachsene Struktur über viele Jahrhundert hinweg, welche sich primär an den Notwendigkeiten einer Anpassung an die natürlichen Geländevorgaben anpasst und andererseits den praktikabeln Kompromiss einer infrastrukturellen Versorgung zu gewährleisten hat.
Der zentrale Schwerpunkt der Vorortanalysen bei der fussläufigen Erkundungsexpedition im den Sommermonaten des Jahres 1989 beschränkte sich somit nach der generellen arteologischen Beurteilung des gesamten Pitztales auf diesen Bereich, der mit hoher Wahrscheinlichkeit den Kreuzungspunkt des Wegesystems zwischen Piller Sattel – Pitztal und Inntal beinhaltet. Die ersten Untersuchungen des Ufergeländes des Grillerbachs ergaben eine relative Konstanz der Bachbettführung. Bedingt durch die streckenmässig kurze Länge des Wasserlaufes mit wenigen, kleinquerschnittigen Zuläufen aus dem Bereich des Imsterberges und seiner Ausuferungsmöglichkeit im Bereich dieses Mittelgebirgsplateaus neigte und neigt der Grillerbach lediglich zu schwachschädigenden Überflutungen in Hochwassersituationen, ohne selbst starke Verschwemmungen und gravierende Verlaufsveränderungen zu bilden. Dies wird durch das leichte Gefälle hin zur Pitze bestärkt, da dieser Hauptwasserlauf in der Lage ist, auch über einen längeren Zeitraum hinweg grössere Oberflächenwässer aufzunehmen und abzutransportieren. In der Höhe des Weilers Greith entspringt ein schmaler Bach der nach knapp zweihundert Metern im heutigen Bereich der Pitztal Landesstrasse in den Grillerbach einmündet. Der Verlauf des Grillerbachs wird beidufrig von lockerem Buschwerk und älteren Baumbeständen begleitet, welche die hydrogeologische Beständigkeit der Bachbettführung zusätzlich belegen.
Alle 50 m wurde 1989 vom Team um Dr. Arkadasch entlang des Grillerbachs ein Uferprofil erstellt, um dergestalt schlüssig die Bereiche von hoher arteologischer Relevanz zu lokalisieren. Dabei stiess das Team um Dr. Arkadasch im Schnittpunkt zwischen der Pitztal Landesstrasse und dem Grillerbach – wobei hier auch der von Süden vom Weiler Greith her rinnende Bach seine Einmündung hat – im Zuge der Uferuntersuchung auf einen schichtartigen Trassierungsaufbau, welcher sich unterhalb dem Niveau der heutigen Strassenführung der Pitztal Landesstrasse befindet. Nähere Untersuchungen waren aufgrund fehlender behördlicher Genehmigungen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich.