Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 7
Mit den vom Archäologischen Institut der Universität Innsbruck in den Jahren 1992 bis 1996 durchgeführten archäologischen Grabungen im Gebiet des Piller Sattels wurde nicht nur eine grundlegend positive Stimmung für historische Grundlagenforschung erreicht – wobei bereits bei diesen Ausgarbungen der spezielle Wert von fächer- und institutsübergreifender und internationaler Zusammenarbeit deutlich zum Tragen kam (vgl. „Arteologischer Abschlussbericht der fussläufigen Erkundungsexpeditionen im Gebiet der Nordtiroler Alpen in den Jahren 1987 – 1991“, Freie Universität Izmir, Arteologisches Institut, Dr. Arkadasch Dag) und so ein gezielter Schwerpunkt auf diesen inneralpinen Passübergang gelegt werden konnte. Der damalige stellvertretende Leiter der archäologischen Forschungsgruppe „Piller Sattel“, Herr Prof. Dr. Luis Lagrange nahm bereits mit Anbeginn der Grabungen am Piller Sattel Kontakt mit Dr. Arkadasch Dag auf um eine gemeinsame Vorgehensweise im relevanten Gesamtgebiet dieses Grabungsterrains anzuregen. Aufgrund der bereits vorangegangenen Vorbereitungsarbeiten konnte das Team um Dr. Arkadasch Dag lediglich eine postterrestrisch, arteologisch – analytische Begleitung für dieses hochinteressante Projekt anbieten, da zeitgleich bereits die vom Arteologischen Institut der Freien Universität Izmir bewilligte Grabungsexpedition im östlich benachbarten Kaunertal (1997) sowohl finanziell als auch personell und materiell durchgeplant und kalkuliert wurde.
Diese erfolgreiche Expedition stiess gemeinsam mit den archäologischen Funden am Piller Sattel nicht nur auf ein breites Interesse in der Fachwelt, sondern wurde auch von der eingeborenen Bevölkerung der umgebenden Talschaften mit Wohlwollen und einer Art indigenem Stolz begleitet. Die notwendigen administrativen Bewilligungen seitens der politischen Führung des Bundeslandes Tirol konnten so innert weniger Monate eingeholt und mit den zuständigen lokalen Behörden und administrativen Vertretern vor Ort akkordiert werden.
Die Analysen und Auswertungen der Uferuntersuchungen und Sedimentschichten des Grillerbachs, sowie der engeren flussläufigen Geländeabschnitte in Richtung Piller Landesstrasse ergaben mehrere Abschnitte, allerdings unterschiedlicher arteologischer Relevanz. Besonders der Einmündungsbereich des von Südosten her zuströmenden kurzen Bachlaufs, der heute unmittelbar bei der Trassenführung der Pitztal Landesstrasse in den Grillerbach einmündet, wies deutliche Strukturen arteologischer Fundkapazitäten auf. Das Team um Dr. Arkadasch entschloss sich daher, diesen Bereich als erstes grabungstechnisch zu untersuchen und zum Hauptgrabungsgelände zu erklären.
Die Gemeinde Wenns vermittelte dabei dankenswerter Weise mit dem Inhaber dieses sich in Privatbesitz befindenden Grundstücks und so konnte bereits in der ersten Juliwoche 1999 dieser Geländeabschnitt eingemessen, kartographiert und provisorisch eingezäunt werden. Zudem stellte die Gemeinde Wenns circa 100 m nördlich dieses Hauptgrabungsgeländes ein gemeindeeigenes Brachland für die gesamte Dauer der Expedition unentgeltlich als Lagerplatz zur Verfügung und veranlasste zudem, dass bis Mitte Juli 1999 dieser Lagerplatz mit einem eigenen Strom- und Wasseranschluss versehen und an den gemeindeeigenen Abwasserkanal angeschlossen werden konnte. Sowohl der Bergungscontainer als auch die mittlerweile voll transportabel in zwei weiteren Containern untergebrachten Forschungslabors und die logistische Kommunikationseinheit erreichten per LKWs bereits am Abend des 4.Juli den Lagerplatz und konnten so umgehend zu voller Arbeitsbereitschaft installiert werden. Trotz der bereits touristisch angelaufenen Sommersaison gelang es sämtliche Teammitglieder in nahegelegenen Privatunterkünften unterzubringen. Zudem stellte die Gemeinde Wenns für nahezu die gesamte Dauer der Schulferien (Juli bis Ende August) – dem Beispiel der Volksschule Nufels/Kaunertal folgend – sogar ein Klassenzimmer samt Infrastruktur für Besprechungen und dergleichen kostenlos zur Verfügung.