Pitztal, Juli - Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 8

Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 8

Trotz der langjährigen und zeitweise sehr intensiven Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Institut der Universität Innsbruck in verschiedenen Bereichen der arteologischen Kontextbefundung und darüber hinaus, war es bei allen bisherigen Expeditionen in den Nordtiroler Raum zu keiner direkten Zusammenarbeit vor Ort, also an den Grabungsstätten selbst gekommen. Lediglich das Tiroler Landesmuseum besuchte die Ausgrabungen im Lechtal (1992) und im Kaunertal (1997) jeweils im Rahmen einer eintägigen Exkursion mit seinem museumseigenen archäologischen und fundrestauratorischem Team. Erst die Ausgrabungen am Piller Sattel in den Jahren 1992 bis 1996 und der damit einhergehende direkte Austausch von basalen Grundlagematerialien sowohl aus archäologischer als auch arteologischer Sicht – und hier insbesondere die bisherigen Ergebnisse der arteologischen Expeditionen innerhalb ihrer direkten Auswertung als auch anhand der weiterführenden, laufenden Forschungen und den primäranalytischen Ergebnissen aus der fussläufigen Erkundungsexpedition im Jahre 1988 – führten im Rahmen eines interdisziplinären Symposions an der Universität Lyon (Université de Lyon) im Juli 1998, unter der Leitung von Dr. Margerite Bonceilleur, zu einem bereichernden Disput im Rahmen einer Ringvorlesung, der eine weitere direkte Zusammenarbeit vor Ort als sinnführende und praxisbezogene Definitonsabgleichung im Rahmen einer paktischen und methodischen Arbeitsgemeinschaft in Aussicht stellte.

pitztal_grillerbach , ALDP, 1999, dr. arkadsch, arteologieMit 14.Juli traf für zehn Tage eine Gruppe von 12 Studierenden des ArchäologischenInstituts der Universität Innsbruck unter der Leitung von Prof. Dr. Stephan Rheinthaler ein, darunter vier Studentinnen von französischen Universitäten, die im Austauschprogramm ein Auslandssemester in an der Innsbrucker Universität absolvierten. Erfreulich war dabei die Tatsache, dass durch die mittlerweile standardisierten Parameter für Ausgrabungen diese Gruppe bereits nach einem kurzen Briefing für generelle Strukturarbeiten (Umfriedungen, Einzäunungen, Vermessungen und kartographische Arbeiten) eingesetzt werden konnte. Auf diese Weise gelang es bereits mit 20. Juli sowohl den ausgewiesenen AHDP im Mündungsbereich des kleinen Baches in den Grillerbach einzuzäunen, arteologisch zu vektorieren und einen ersten, entsprechenden Grabungskataster zu erstellen, als auch die notwendigen infrastrukturellen Massnahmen im etwas nördlich gelegeneren Lagerbereich zum Abschluss zu bringen.

pitztal_grillerbach , 1999, dr. arkadasch, arteologieWährend am AHDP das arteologische Team um Dr. Arkadasch die horizontalen Sondierungsgrabungen im Parallelverschiebungsverfahren vorbereitete, wurden gemeinsam von Dr. Arkadasch Dag und Dr. Stephan Rheinthaler für dessen Studierendengruppe entlang des Grillerbachs, entgegen seiner Fliessrichtung erste Auswertungen anhand der Analysen der Uferuntersuchungen und Sedimentschichten des Grillerbachs aus dem Jahr 1988 vorgenommen und bei vier schwerpunktmässigen Kleingrabungen umgesetzt. Dabei wurde bewusst die erste dieser Grabungen in einem ALDP Bereich (Area of low degree of probability) angelegt um zum einen die Fertigkeiten der Studierenden zu evaluieren und zum zweiten die erforderlichen arteologischen Grabungsabläufe und Besonderheiten zu verdeutlichen. Besonders der artefakturelle Aspekt einer jeden arteologischen Zielsetzung stand dabei im Fokus, da einzig durch diese Herangehensweise eine wertermittelnde Kontextualisierung jedweder Grabungsergebnisse über den direkten Fundstatus hinaus ermöglicht werden kann. Der interdisziplinäre Zugang zwischen der Archäologie und der Arteologie erschliesst sich dabei partiell sowohl im Grabungsverfahren als auch in der ersten systematischen Fundaufarbeitung.