Inntal, Juni - August 1982, Ausgrabungsprotokoll 4

Inntal, Juni – August 1982, Ausgrabungsprotokoll 4

Die eigentlichen arteologischen Grabungsarbeiten konnten somit per 4. Juli 1982 beginnen. Das Team „Inntal“ war nach eingehender Wertung der bisherigen Sondierungsgrabungen zum Entschluss gekommen, dass abweichend von den sonst üblichen rasterartigen Schürfgrabungsanlagen dieses Mal an gezielten, durch die Luftaufnahmen nachvollziehbaren terrestrischen Verläufen, kleinflächige (in einem Ausmass von nicht größer als 70 m²) Schichtgrabungen durchgeführt werden. Mag dies auf den ersten Blick auch als nicht sehr vielversprechend erscheinen, so hat doch die Analyse der Luftaufnahmen, verbunden mit einem kalibrierenden Abgleich der Sedimentdaten der Humussode deutlich gezeigt, dass bereits vor Grabungsbeginn die dem Schwemmlandcharakter der Inntaltalsole entsprechenden Oberflächenmaserungen in hohem Masse (besonders in topographischer Hinsicht) mit den typisch spezifischen, arteologischen Fundstellenkategorien übereinstimmen, so dass es von Seiten der Grabungsleitung her durchaus vertretbar erschien, auf die sonst übliche Vorgangsweise bei einer Tagbaugrabung zu verzichten.

Gleichwohl wurde die Geduld des gesamten Teams auf eine harte Probe gestellt. Tag um Tag wurden schubkarrenweise Humussoden und die darunter liegenden Sedimentsschichten akribisch sowohl am Trockensieb als auch im nachfolgenden aquätanen Sickersiebverfahren mit wissenschaftlicher Genauigkeit untersucht. Trotz mehrfacher Evaluierungen – die immer zum gleichen Ergebnis führten – wurde bis zum 23. Juli nicht ein Fundstück ans Tageslicht gebracht. Auch die Untersuchung des Grabungsgeländes mit einer archäologischen Flachröntgensonde führte zu keinen neuen Erkenntnissen.

Auch wenn jedes Grabungsteam – sei es nun ein arteologisches oder ein archäologisches – derartige Fundloszeiten kennt, stellen sie doch jedesmal für ein Team eine ganz besondere Herausforderung dar. Zum Einen gilt es die heimischen Grabungskräfte von der weiteren Sinnhaftigkeit ihres Tuns zu überzeugen und zum Zweiten nähren sich auch – so ehrlich muss man sein – die eigenen Zweifel an der vermeintlichen Richtigkeit der eigenen, theoretischen Schlussfolgerungen und dem daraus resultierenden Handeln. Zudem verschlingt Fundlosigkeit früher oder später natürlich auch die finanziellen Ressourcen, sodass ohne vorzeigbare wissenschaftliche Ergebnisse (und dies sind nun mal für die Öffentlichkeit – und damit auch für die Förderung durch öffentliche Mittel – in arteologischer Hinsicht die gefunden Artefakte) mit einem baldigen Ende einer solchen Grabung zu rechnen ist, gleichwohl auch das Nichtvorhandensein von arteologisch nachweisbaren Spuren sich einer wissenschaftlichen Bewertung keineswegs entzieht und für nachkommende Forschungen durchaus als wertvolle Grundlagenarbeit anzusehen ist.

Der erste Nachweis von relikthaften Restspuren gelang Dr. Arkadasch am 24. Juli 1982 bei der Mikroskopierung von Marschlandsedimentierungen, die, vom organischen Material her datiert, zweifelsfrei in einen arteologischen Zusammenhang gebracht werden können.

Noch war es dabei zu früh von einem wirklichen „Durchbruch“ sprechen zu können, aber die allgemeine Spannung und Motivation erhielten so neue Kraft, welche nach der bisherigen Fundlosigkeit durchaus willkommen geheißen wurde.