Inntal, Juni - August 1982, Ausgrabungsprotokoll 5

Inntal, Juni – August 1982, Ausgrabungsprotokoll 5

Generell gilt es festzuhalten, dass die finanzielle Seite einer jeden wissenschaftlichen Tätigkeit die sich mit der basalen Grundlagenforschung auseinandersetzt, nicht am üblichen merkantilen Maßstab eines rein ökonomischen Gefüges bewertet werden kann. Grundlagenforschung per se ist einzig den parametralen Distinktionen der Lehre verpflichtet und trägt in sich keinerlei Verpflichtung auf futurale Nutzung. Um so wichtiger ist es daher in einer ökonomisch determinierten Sozietät, diese Freiheit des Forschens und Lehrens soweit als möglich aus dem monetären Korsett einer primären wirtschaftlichen Akquirierung heraus zu halten – eine Aufgabe die von jedem Forschungsteam mittlerweile neben zielorientierter Hartnäckigkeit, Geduld und Fingerspitzengefühl ein gerüttelt Maß an diplomatischem Geschick und, in zunehmendem Ausmaß, ein populärwissenschaftliches, offensives Marketingkonzept der eigenen Tätigkeit verlangt. Funde alleine genügen diesem heutigen Anspruch nicht mehr, wie es sehr treffend der Fund des „Eismannes“ („Ötzi“, wie er im Einheimischenjargon genannt wird) zeigt.

 Die Informations- und Charmeoffensive, mit der es Dr. Arkadasch gelang die anfänglichen Störversuche und das ablehnende Verhalten der einheimischen Bevölkerung insgesamt zu neutralisieren zeigt in diesem Zusammenhang die Social Responsibility, die mit ein Teil einer jeden arteologischen Facharbeit von sich aus beinhaltet. Die Arteologie setzt sich nämlich nicht nur mit der artefaktiellen Herkunft einer Sozietät wissenschaftlich auseinander, sondern führt anhand von beweisbaren Rückschlüssen und bewert- sowie zuordenbaren Fundmaterialien zu einer arteologischen Genealogie, welche wiederum einer genau definierbaren Gruppe als herkunftsbestimmende Subsumption zuordenbar ist. Jeder Fund – um hier ausnahmsweise den Diskurs auf populärwissenschaftliches Niveau zu vereinfachen – stellt somit für die umgebende, einheimische Bevölkerung eine direkte Linie zu ihrer arteologischen Vergangenheit und somit zu ihrer arteologischen Herkunft dar.

Dass hierbei auf kulturelle, traditionelle und religiöse Verortungen sowie gewachsene Sitten und Gebräuche mit äußerster Vorsicht eingegangen werden muss, ergibt sich aus den nicht immer dem eigenen Selbstverständnis einer homogenen Gruppe entsprechenden wissenschaftlich, arteologischen Schlussfolgerungen, welche immer wieder diametral zum Selbstbild einer betroffenen Gemeinschaft stehen.

Offenheit und Transparenz sind hier ein Gebot der Stunde. Von Anfang an informierte das Forschungsteam „Inntal“ bei regelmäßigen, monatlichen Veranstaltungen im Gemeindezentrum nicht nur über die Fortschritte der arteologischen Arbeit, sondern auch über die wirtschaftlichen und gesamtarteologischen Zusammenhänge (über die Wertschöpfung vor Ort durch die Funktion als Arbeitgeber für einheimische Arbeitskräfte sowie die Lebenshaltungskosten des Forschungsteams, welche ebenfalls im regionalen Wirtschaftskreislauf ihren Niederschlag finden, sowie über die mediale Bekanntheit und damit Zusatzwerbung für die Region Schwaz/Vomp/Fiecht insgesamt durch die laufende Berichterstattung in Fachzeitschriften, aber auch sonstigen Tages- und Monatszeitschriften, sowie Rundfunk und Fernsehen).

Arteologie muss für die betroffenen Menschen erlebbar werden, wenn sie in ihrer Nachhaltigkeit eine dauerhafte Wirkung erzielen soll.