Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 12
Es ist wohl für eine jede wissenschaftliche Tätigkeit die in ihrer Auftragsagenda auch einen lehrenden Bereich beinhaltet, ein sehr befriedigendes und bereicherndes Ergebnis, wenn im Zuge einer praktischen Lehrveranstaltung auch relevante Forschungsinhalte erarbeitet, entdeckt oder ausgegraben werden. Neben dem wissenschaftlichen Zuwachs an Wissen und/oder Materialien wird dabei auch der Lehrauftrag in nachhaltiger und auch spannender Weise in einer Art und Weise umgesetzt, die es den Studierenden ermöglicht die praxisbezogene Sinnhaftigkeit ihres Lernens und Forschens im Zuge des eigenen Tätigseins zu erleben und als positive Bereicherung als Benefit für ihre weitere wissenschaftliche Laufbahn zu erfahren. Gerade der Bereich der Expeditionsforschung lebt in einem nicht geringen Ausmass von der persönlichen Motivation einzelner, die es verstehen diese, ihre eigenen Beweggründe im Gesamtkonex aus Forschung und Erforschung, als Multiplikatoren der wissenschaftlichen Sache insgesamt, einzubringen und gleichzeitig – im Sinne einer ergebnisorientierten Arbeit – im notwendigen Ausmass gegenüber den Institutionen und einer interessierten Öffentlichkeit entsprechend zu kommunizieren. Die Freiheit von Wissenschaft und Lehre erfährt gerade im alltäglichen wissenschaftlichen Betrieb ihre Grenzen oftmals zunehmend in der Frage der primären Wirkmöglichkeiten der erzielten Erkenntnisse und deren wirtschaftlicher Umsetzbarkeit – umso mehr, als die vermeintlichen ökonomischen Sachzwänge sich in Zeiten geringen wirtschaftlichen Wachstums mancherorts in einer verminderten Dotierung öffentlicher Forschungsgelder niederschlagen. In einer derartigen Situation den wissenschaftlichen Anspruch zu wahren und aufrecht zu erhalten verlangt vom wissenschaftlichen Personal zunehmend kommunikative Kompetenzen, die den hohen Wert einer primär nicht rein nutzenorientierten Arbeit – wenn nötig auch mit populärwissenschaftlichen Ansätzen – nach aussen hin transportieren und allgemein verständlich darstellen. Das „Abenteuer Forschung“, das „Abenteuer Expedition“ beschlagwortet dabei den medialen Ansatz, der dabei hilft, die Akquise von Ressourcen, Finanzierung und Personal nachhaltig zu sichern und einer breiten Öffentlichkeit die Notwendigkeit, speziell von vergangenheitsbezogener Forschung als einen Beitrag des eigenen Verständnisses der eigenen Genese und des eigenen Umfelds zu vermitteln.
Die Grabungen entlang des Grillerbaches wurden immer wieder von vorbeispazierenden Einheimischen neugierig beobachtet und auch die lokale Presse (Imster Bezirksblatt) berichtete bereits in ihrer Ausgabe vom 15. Juli ausführlich über die „Arteologische Expedition Pitztal“. Besonders das Graben als solches, bei widrigen Witterungsverhältnissen, fernab einer Gelehrtenstube, stiess dabei auf reges Interesse. Vor Ort mitzuerleben, wie Wissen auch handwerklich schwer erarbeitet werden muss, fördert unbestritten das Verständnis für nachfolgende Analysen und Ergebnisse.
Dieser Kontakt und die daraus resultierenden positiven Beziehungen zur einheimischen Bevölkerung, verbunden mit dem gemeinschaftlichen Arbeiten mit den eingeborenen Hilfskräften, waren mit ein Teil der affirmativen Zielsetzungen der Zusammenarbeit mit der Studierendengruppe um Dr. Stephan Rheinthaler im Rahmen dieses gemeinsamen Seminars mit dem Archäologischen Institut der Universität Innsbruck.
Den Höhepunkt stellte dabei die Fundung am 23. Juli 1999 dar. Dabei stiess die Gruppe drei, unter der arteologischen Leitung der Doktorandin Frau Mag. Olga Frantisek auf ein aus zwei Fundstücken bestehendes, symmetral angeordnetes Cult-Object. Diese Fundung erfolgte am südlichen Uferhang des Grillerbachs, im Bereich des Böschungshügels Nummer vier, der sich ab Meter 123 bis Meter 148 entgegen der Flussrichtung des Grillerbachs, eingemessen ab dem Messpunkt „Trasse Pitztaler Landesstrasse“, erstreckt. Dieser Böschungshügel misst an seiner breitesten Stelle 17 Meter, besteht aus einem langgezogenen Rücken, der bachseitig relativ steil abfällt und lediglich im letzten Drittel (gegen Osten hin) eine terrassenförmige Uferausformung ausweist. Der Grillerbach beschreibt in diesem Abschnitt eine, dem Hügelverlauf folgende, nach innen hin weisende Biegung, die folglich am hügelseitigen Ufer eine sich verlangsamende und somit nur schwach erodierende Strömung führt. Dies wird durch die geologische Struktur bedingt, welche sich auch im Querschnitt des Hügels wiederfindet. Der jenseitige Uferbereich verfügt an dieser (und auch den anderen Grabungsstellen entlang des Baches) Stellen über ein relativ breites Schwemmlandareal, sodass hohe Wasserstände, bzw. Hochwässer zu keiner nachhaltigen Veränderung des Bachverlaufes führen konnten. Lediglich die Bruchkante der Terrasse des Hügels belegt hier strömungsbedingte Veränderungen in geringfügigem Ausmass. Diese Faktenlage führte – verstärkt durch die vorangegangenen Ufersondierungen – zur Katalogisierung als AHDP.