Pitztal, Juli - Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 13

Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 13

grabungshuegel 4, pitztal, 1999, arteologie, dr. arkadaschDie Trockensteinmauerungen an den vier Aussenseiten weisen an der Oberkante/Mauerkrone eine durchschnittliche Breite von 25 cm auf und verbreitern sich gleichmässig zum Mauerfuss hin auf einen Mauerdurchmesser von ca. 50 cm, wobei die dem Bachufer zugewandte Mauer ursprünglich noch verstärkt war, wie verschiedene Steinformationen, die am Bachufer und Mauerfundament vorgefunden wurden, eindeutig belegen. Die Lage dieser Mauerbruchstücke, und hier wieder vor allem im Wesentlichen deren Abbruchstellen im Kronenbereich der Umfriedungsmauer, weisen eindeutig auf nichterodive Einflüsse (wie etwa Abtrennungen durch hochwasserführende Bachläufe) hin, wobei wiederum feststellbar bleibt, dass diese Mauereinbrüche weder durch eine gezielte, menschenbedingte Vorgangsweise stattgefunden haben, noch durch elementare Ereignisse (wie etwa einem Erdbeben) verursacht wurden. Am wahrscheinlichsten gilt die Annahme, dass diese Mauerzerstörungen durch weidendes Vieh bewirkt wurden. Verstärkend ist hierbei die Tatsache, dass mit der zunehmenden floralen und arboralen Überwachsung und der damit einhergehenden Ausbildung von dichtem und sperrigem Unterholz keinerlei neuere Schädigungen des Mauerwerks mehr feststallbar sind. Vielmehr bildete sich zeitgleich mit der Überwachsung eine Deckschicht aus Humus aus, die letztendlich schützend auf die Gesamtoberfläche des Gevierts wirkte, jedoch umgekehrt auch die Durchwurzelung und Einwurzelungen durch Baumbestände und Buschwerk förderte.

Die Fundamentierung des trockengemauerten Gevierts reicht im hügelseitigen Bereich bis auf den gewachsenen Felsen (der hier in etwa 55 bis 65 cm Tiefe auftritt) und wurde bachseitig auf einer künstlichen Basis, bestehend aus bis zu 500 kg schweren Natursteinen (Gneisen aus der näheren Umgebung) aufgebaut.

Für die Trockenmauerung wurden überwiegend naturbelassenen Steine aus dem näheren Umfeld verwendet, wobei lediglich an der  Ausarbeitung der überlappenden Eckverbindungen mit grober Behauung zu formgerechter Verwendbarkeit vereinzelt handwerklich nachgeholfen wurde. Die Kristallstruktur dieser heimischen Gneise ordnet diesen Gneis den Paragneisen zu, deren Entstehung durch die Umwandlung von Sedimentgesteinen (Sandsteinen, Grauwacken, Arkosen und Tonschiefer) erfolgt und deshalb meist eine grössere Vielfalt von akzessorischen Mineralen (Nebengemengeteilen) aufweist, als die Orthogneise. Gneis besteht hauptsächlich aus den Mineralien Feldspat (> 20 %), Quarz sowie Glimmer, dies sind, neben dem Calcit, die in der kontinentalen Erdkruste weit verbreiteten Minerale. Das Gefüge schwankt zwischen fein- und grobkörnig. Zugleich stellen diese nördlichen Ausläufer der Ötztaler Alpen den deutlich erkennbaren Grenzverlauf zwischen den südlich des Inntals gelegenen Gebirgen aus Urgestein und den nördlich des Inntals gelegenen Gebirgen aus Kalkstein dar. Der Inn wird somit, besonders in seinem nortirolerischen Verlauf ab der Gemeinde Landeck sowohl von Zuläufen aus dem Nördlichen Kalkalpen als auch aus den Zentralalpen gespeist.

Diese geologischen Unterschiede haben bei den bisherigen arteologischen Expeditionen ihren deutlichen Niederschlag gefunden: so ist etwa die mineralische Struktur der jeweiligen Fundorte von grosser Signifikanz für den Erhaltungszustand sowohl anorganischer als auch organischer Funde. Wobei anzumerken ist, dass die jeweiligen Methoden und Verfahren der Konservierung und/oder Mumifizierung diesen Aspekten jeweils Rechnung getragen hat. Gerade für ein kleinräumiges Gefüge, wie es der nordtiroler Raum darstellt, ist die Wissenserstellung, -bewahrung und deren Modifikation ein genereller Parameter für die kulturelle Genese der jeweiligen eingeborenen Bevölkerung.

Somit stellt jede artologische Fundung innerhalb einer definierten arteologischen Einheitlichkeit eine differenziert zu betrachtende Grösse dar, muss aber weiterführend in den Gesamtkontext des arteologisch-wissenschaftlichen Anspruchs einfügbar sein, da bei einem Nichtzutreffen der spezifischen Parameter von einer grundlegenden Neubewertung des jeweiligen Fundes ausgegangen werden muss.