Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 14
Die Grabungsgruppe um Frau Mag. Olga Frantisek legte zuerst entlang des gesamten als AHDP ausgewiesenen Hügelbereichs (Grabungshügel Nr. 4) uferseitig Parallelsondierungsgräben im Abstand von 1 m an, um so diesen Bereich innert kurzer Zeit systematisch arteologisch erfassen zu können. Die Untersuchung dieses westseitig gelegenen Bachterrassenabschnitts (Meter 123 bis ca. Meter 135) dauerte vom 20.Juli bis zum 23. Juli 1999 und wurde durch die Fundung am 23.Juli positiv abgeschlossen.
Insgesamt bestand diese Grabungsgruppe aus 13 Personen: aus der arteologischen Leiterin Frau Mag. Olga Frantisek, aus zwei weiteren Expeditionsteilnehmern (Herrn Martinez de Silva und Herrn Omar Gyldürüm), sechs einheimischen Hilfskräften und 4 Studierenden der Gruppe um Dr. Stephan Rheinthaler.
Die Witterungsbedingungen stellten dabei hohe Anforderungen an dieses Team, da an allen vier Tagen Regenwetter herrschte mit teilweise intensiven Niederschlägen. Zudem fielen die Temperaturen auf einen Mitteltageswert von 11 Grad Celsius. Zwar wurde die Grabungstruppe regelmässig mit heissem Tee versorgt und bei den drei täglichen Ausspeisungen sowie der Vormittags- und der Nachmittagsjause mit warmer Kost verpflegt, dennoch ist hier einmal mehr anzumerken, dass zum einen die Motivation durch die Leiterin einer solchen Gruppe die wesentlichste Grundvoraussetzung darstellt und andererseits – und dies bleibt häufig in den Berichten als irrelevant unerwähnt – sich niemand des ganzen Expeditionsteams an solchen Tagen ins Warme und Trockene zurückzieht, sondern vielmehr aktiv und vor Ort immer wieder zugreifend und unterstützend einbringt. Die Gummistiefel und Regenjacken sind bisher bei allen Expeditionen mit eine der wichtigsten Grundausrüstungsgegenstände für alle Beteiligten. Jedes Mitglied dieser arteologischen Expeditionen ist sich Vorbildwirkung des eigenen Tuns bewusst. Nur so gelingt es immer wieder die eingeborenen Hilfskräfte von der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit, auch bei widrigen Umständen, zu überzeugen und eine adäquate Leistung auf Dauer zu verlangen.
Insgesamt wurden 9 Sondierungsgräben im Parallelverschiebungsverfahren angelegt, wobei hier quer zum Bachverlauf entlang der Terrasse gearbeitet wurde. Erleichternd dabei stellten sich die geologischen Voraussetzungen dar, da alle vier Grabungshügel im Kern eine Schichtung aus gewachsener Gneisstruktur aufweisen, welche im Bereich der bachseitigen Hügelkämme bereits nach einem guten halben Meter einen festen Untergrund bilden. Diese geologische Struktur findet ihren Niederschlag auch in den floralen Bewuchsformen. Sämtliche Busch- und Baumvorkommen bestehen aus Flachwurzlern, mit stark verzweigten Ballen und ineinandergreifenden Wurzelstrukturen. So musste bei jeder Grabung auch mit Beilen und Sägen gearbeitet werden, um diese Schicht zu durchdringen, ehe mit den eigentlichen Grabungen bis zum gewachsenen Felsen fortgesetzt werden konnte. Frau Mag. Olga Frantisek gab dabei die Order aus, von der Wasserseite her mit der Anlage der Sondierungsgräben zu beginnen, um dergestalt das natürliche Gefälle zu nützen und die Gräben von stehendem Wasser freizuhalten. Gleichwohl standen die Grabungskräfte dennoch oftmals bis zu den Knöcheln im Wasser, da diese Gräben einer künstlichen Drainagierung entsprachen. Die Untersuchung des Aushubmaterials erfolgte deshalb direkt an den Grabungen, lediglich auf der gegenüberliegenden Uferseite des Grillerbachs, im angrenzenden Wiesenareal. Dabei wurde wetterbedingt auf die Trockenversiebung verzichtet, da das Aushubmaterial zum grösstenteil eine schlammartige Struktur aufwies und daher sofort auf das Sickersiebverfahren zurück gegriffen wurde.
Die Fundung am 23. Juli 1999 belegt, dass die Mühen und Strapazen der vorangegangenen Tage den Einsatz an Personal und Material mehr als rechtfertigten.