Pitztal, Juli - Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 15/2

Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 15/2

Nach der dokumentarischen Erfassung des unmittelbaren Grabungsgeländes und dessen kartographischer Datierung wurde mit der systematischen Aufarbeitung der Fundstelle fortgesetzt. Schichtweise erfolgte zuerst die Freilegung des Aussenbereiches des von der Trockenmauerung umschlossenen, rechteckigen Terrains. Dabei traten keinerlei weitere Fundstücke zutage, abgesehen von den teilweise mittels Behauung passgenau bearbeiteten Ecksteinen im Aussenbereich. Zudem wurde das Fundament aus Natursteinen zum Bachufer hin freigelegt. Gleichzeitig fungierte diese Freilegung der Aussenmauern als  natürliche Drainage für das Regenwasser und die in Folge der Witterung einsickernden Wässer aus dem umgebenden Erdreich. Mittels Rüstbrettern und Kanthölzern wurde rund um das freigelegte Geviert eine begehbare und schlammfreie Standfläche geschaffen, von der aus die weitere Grabungstätigkeit relativ trockenen Fusses erfolgen konnte. Diese Massnahmen dauerten in etwa drei Stunden, wobei festzuhalten ist, dass dabei das Grabungsmaterial lediglich grob sortiert und in eine Zwischendeponie ins Hauptgrabungsgelände verbracht wurde, um dort zu einem späteren Zeitpunkt einer Trocken- als auch einem Sickersiebverfahren unterzogen zu werden.

Das Hauptaugenmerk richtete sich auf das Geviertinnere, mit seinen Ausmassen von 105 cm (uferseitig) und querverlaufenden 86 cm (gemessen an den Aussenkanten), welches aus einer Schicht aus geglättetem und mechanisch verdichtetem Mix aus Mergel und Schlick bestand. Analysen dieses Materials haben einen mindestens 8 %igen Anteil an zugesetztem Kalk und von 15 % Asche aus organischem Ursprungsmaterial ergeben. Diese Mischung wurde mit heimischem Sand vermengt (der einen hohen Anteil an Quarz, Gneis und Glimmer aufweist), Wasser zugesetzt und als eine Art Versiegelung verwendet. Untersuchungen der Technischen Universität Innsbruck haben nachgewiesen, dass diese Mischung betonähnliche Strukturen aufweist, jedoch insgesamt elastischer und dauerhafter ist, als derartige Mischungen mit heute üblichem Portlandzement. Die Dicke dieser Schicht betrug durchschnittliche 12,5 cm und diente auch einer grob gehaltenen Innenauskleidung des Mauergevierts. Zudem war diese Schicht wasserresistent und in ihrer chemischen Zusammensetzung hydrphob.

Unter dieser Schutzschicht wurde ein Bett aus feinkörnigem Sand freigelegt (Korngrössen bis zu einem Millimeter), der zur Gänze aus lokalen, natürlichen Vorkommen stammt. Mit der gebotenen Umsicht erfolgte die Abtragung dieses Sandes und dessen Verbringung in eigenen Behältnissen zum Hauptgrabungsgebiet. Nach 33 cm, gemessen ab der Mauerkrone wurde der Mutterboden erreicht, der hangseitig bereits von zum Ufer hin abfallendem Gneisgestein gebildet wurde, aber ebenflächig aus mechanisch verfestigtem Erdreich (Humus vermischt mit Lehm) eine waagrechte Sohle bildet.

pitztal_grillerbach, cult-object, pitztal 1999, dr. arkadasch, arteologieMittig auf dieser Grundfläche, die den Charakter eines hohlen Quaders besitzt, wurden zwei metallene Cult-Objecte freigelegt, die in einem diametral angeordnetem Paarverhältnis zueinander liegen. Beide Cult-Objecte weisen in ihrer Form einen eindeutigen Formenbezug zu den bisherigen arteologischen Funden gleicher oder ähnlicher Art im Nordtiroler Raum auf. Sowohl vom Gestalterischen her als auch von den Grössenverhältnissen ist trotz markanter formaler Unterschiede eine stringente Objektrelevanz aus arteologischer Sicht augenscheinlich.

Die beiden Cult-Objecte bilden in ihrer Ausrichtung ein symbolistisches Paar, dessen Anordnung auf einen bewusst inszenierten Handlungstatbestand hinweist. Jedes der beiden Cult-Objecte besteht aus einer Art von Griffstück, das sich zum anderen Ende hin in Form eines „T“ verzweigt, wobei die die rechte Seite dieses „T“ – unter der Annahme, dass die als erstes sichtbare Seite als Vorderseite betrachtet wird – aus einem in sich verwundenen Metallarm besteht, während die linke Seite dieses „T“ mit einem geglätteten Rundmetallstück versehen wurde.

pitztal_grillerbach, cult-object_2,pitztal1999, dr. arkadasch, arteologieBeide Cult-Objecte berühren sich beinahe am untersten Ende des jeweiligen Griffstücks und liegen exakt auf einer gedachten Mittelachse der Grundfläche liegend, welche der Sonnenachse zur Wintersonnenwende entspricht.