Pitztal, Juli - Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 16

Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 16

Dass gerade bei dieser Expedition schon in der Anfangsphase eine derart bedeutende Fundung ausgegraben werden konnte, stellt einen nichtalltäglichen Erfolg im Rahmen der arteologischen Arbeit vor Ort dar. Die ersten paar Wochen –bei grossen Unternehmungen kann dies sogar mehr als ein Monat beanspruchen – dienen im Wesentlichen der Installation der notwendigen Grabungsinfrastruktur und den Vororterkundungen in Abstimmung mit den theoretisch erarbeiteten Planungsfeldern und Hauptgrabungsgebieten.

Im Falle der Expeditionen in das Lechtal, das Kaunertal und nunmehr in das Pitztal, wurden die grundlegenden Grabungsgebiete bereits vorab durch Dr. Arkadasch Dag und sein Team in den Sommermonaten der Jahre 1987/88, 1989 und 1990/91 fussläufig erkundet und arteologisch insoweit erfasst, dass die grabungsrelevanten Vorarbeiten überwiegend am Arteologischen Institut ´der Freien Universität Izmir durchgeführt werden konnten. Es geht dabei darum in einem ersten Schritt all jene Quellen zu erschliessen und katalogisch zu erfassen, in welchen sich schriftliche Hinweise auf arteologisch relevante Bezüge zum entsprechenden Grabungsgebiet finden und diese in weiterer Folge nach thematischer Zugehörigkeit in historische, arteologische, archäologische, geologische und sonstig wissenschaftlich relevante Texte zu ordnen und für eine entsprechende Sichtung und Wertung durch Fachpersonal zur entsprechenden Bearbeitung frei zu stellen. Je breiter hier die thematische Streuung liegt um so wichtiger wird eine leitende Agenda, deren Aufgabe keinesfalls in einer Art von hierarchischem Management liegt, vielmehr in einer ordnenden Zusammenschau diverser Fachrichtungen und deren Ergebnisse, um dergestalt letztendlich einen möglichst genauen Einblick in das geplante Grabungsgebiet zu erhalten. Die internationale interdisziplinäre gemeinsame Ausrichtung erfordert gleichwohl einen gezielten Einsatz der meist begrenzten Mittel und Möglichkeiten der jeweiligen Institute, ergibt aber aus der Gesamtschau regelmässig ein beindruckendes Zeugnis wissenschaftlicher Arbeit. Auch wenn bei einem arteologischen Projekt die Federführung konsequenterweise in der Hand erfahrener Arteologinnen und Arteologen zu liegen hat, so bedeutet dies keineswegs eine Hintanstellung anderer wissenschaftlicher Disziplinen, vielmehr kann und wird jede derartige Zusammenarbeit immer auf Augenhöhe und gegenseitiger Wertschätzung beruhen.

Nur so war es möglich, neben der infrastrukturellen Errichtung sämtlicher Erfordernisse am Hauptgrabungsgelände und im Expeditionslager nahezu zeitgleich mit ersten Grabungen entlang des Grillerbaches zu beginnen. innsbruck, 1999, arteologie, dr. arkadaschDer Einsatz der Studierendengruppe des Archäologischen Instituts der Universität Innsbruck unter der Leitung von Dr. Stephan Rheinthaler war dabei ein wertvoller zusätzlicher Beitrag, der noch dazu mit einer ersten bedeutenden Fundung der beschriebenen Cult-Objecte mit 24. Juli 1999 positiv abgeschlossen werden konnte.

Dadurch ergab sich auch die Möglichkeit sofort Dr. Stephan Rheinthaler und seinem Team einen Querschnitt der Bodenproben aus dem Bereich der Trockenmauerung des Grabungshügels Nr. 4 und der betonartigen Abdichtungmasse, welche den Kubus wasserdicht und wasserabweisend schützte, für weitere labortechnische Untersuchungen mitzugeben.

Nicht hoch genug ist zudem die parallel dazu verlaufende Öffentlichkeitsarbeit unter der bewährten Agende unseres Aquarellisten und Expeditionsfotografen Herrn Herwig Angerer und unseres Experten für Polyglacialisierungen, Herrn Mag. Peter Stolz zu werten, die neben der Betreuung der lokalen Presse und den zwei in dieser Zeit stattgefundenen Führungen für interessierte Bewohner der Gemeinden Wenns und Arzl auch dem Österreichischen Rundfunk, Landesstudio Tirol (ORF) eineinhalb Tage rund um die Uhr zur Verfügung standen, um in ihrer fundierten Art und Weise, und dennoch allgemein verständlich die Zielsetzungen und Methoden der Arteologie im allgemeinen und jene dieser Expedition im Pitztal im speziellen, entsprechend näher zu bringen.