Pitztal, Juli - Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 19

Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 19

Mit der Fundung des dualen Cult-Object – Paares, verbunden mit der medialen Berichterstattung in diversen Lokalzeitungen und im regionalen Radioprogramm (ORF Tirol, Österreichischer Rundfunk), avancierten die Grabungsstätten entlang des Grillerbachs und vor allem natürlich das mittlerweile eingezäunte Hauptgrabungsgelände zu lokalen Sehenswürdigkeiten. Selbst der Lagerplatz mit seinen Containern, Wellblechbaraken und Werkzeugschuppen wurde immer wieder von neugierigen Besuchern inspiziert. Nicht nur Einheimische und Anwohner des Grabungsgebietes, sondern vermehrt auch Touristen aus der Bundesrepublik Deutschland, aus den Niederlanden und einige wenige aus Grossbritannien wurden in einer Art von „Guided Tour“ durch den örtlichen Direktor des Fremdenverkehrsverbandes in einer einstündigen Wanderung herumgeführt. Wie sich bei einem Gespräch zwischen Dr. Arkadasch Dag und dem Direktor des Wennser Fremdenverkehrsverbandes (korrekter: Fremdenverkehrsverband Vorderes Pitztal) herausstellte, bewarb dieser auf der Homepage aktiv diese geführten Touren durch „das zur Zeit wohl spannendste und vielversprechendste arteologische Grabungsgebiet im gesamten Alpenraum“. Dr. Arkadasch Dag, als Leiter dieser arteologischen Expedition befand sich weder in der Lage noch in der rechtlichen Position um derartige Führungen zu unterbinden, wobei ohne Zweifel durch eine direkte Konfrontation mit dem Direktor des Fremdenverkehrsverbandes die bisher so reibungslose und friktionsfreie Zusammenarbeit erheblich gelitten hätte. Es galt daher diese Führungen zum einen auf strikt ausgewiesene Geländeabschnitte und Bewegungslinien zu kanalisieren, um so etwaige Beschädigungen von fundrelevanten Grabungsplätzen zu verhindern und insgesamt die logistischen Abläufe der Arbeiten in ihrem mobilen Konzept möglichst wenig zu beeinträchtigen, und zum zweiten sämtliche Informationen die über die Grabungen, das Grabungsgebiet, die bisherigen Fundungen, die Expedition und die Wissenschaft der Arteologie an die Besucher weiter gegeben werden auf ihren sachlich richtigen Inhalt zu überprüfen und, wo notwendig, kompromisslos zu korrigieren. So entstand unter der Agenda von Mag. Peter Stolz, dem Polyglaciologen dieser Expedition, in zwei aufeinanderfolgenden Abendschichten, eine achtseitige Broschüre, welche die wesentlichen Fakten und Daten in populärwissenschaftlicher Sprache dem interessierten Publikum zur Verfügung stellt. Zeitlich einigte man sich darauf, dass an Wochentagen maximal zwei Führungen stattfinden: eine um 10:00 Uhr vormittags und eine um 15:00 Uhr am Nachmittag. An Sonntagen, die entsprechend den Gepflogenheiten vor Ort arbeits- und grabungsfrei gehalten wurden, durften ganztägig Führungen, entsprechend der jeweiligen Nachfrage angeboten werden. Es stellte sich letztendlich heraus, dass durchschnittlich zwei Führungen pro Woche gebucht wurden, die organisatorisch leicht bewältigbar blieben und keinerlei Einschränkungen der Grabungsarbeiten mit sich brachten. Wie wichtig allerdings eine stringente wissenschaftlich-arteologische Begleitung solch touristischer Begleiterscheinungen ist, hat sich bereits bei den Ausgrabungen im Wipptal im Jahre 1984 gezeigt. Das dortige Museum (in der Gemeinde Matrei am Brenner) wird vom Arteologischen Institut der Freien Universität Izmir jährlich inspiziert, auf den neuesten Stand gebracht und zertifiziert. Sowohl bei Einheimischen als auch Gästen erfreut es sich nach wie vor grosser Beliebtheit und erfüllt somit abseits der investigativen Arbeit vor Ort jenen allgemeinbildenden Ansatz, der letztendlich mit ausschlaggebend ist für jede Form einer nachhaltigen Edukation.

grabungsleitstand, pitztal, 1999, dr. arkadasch, arteologieAb 28. Juli wurde das Hauptgrabungsgebiet rasterartig dem Parallelsondierungsverfahren unterzogen. Die gleichzeitig einsetzende witterungsmässige Besserung erleichterte diese Arbeiten ungemein, vorsorglich wurden jedoch bohlenbewährte Transportpfade zu den beiden Siebanlagen (je eine Trocken- und eine Sickersiebanlage) angelegt, um sowohl die Bringung des Grabungsgutes, als auch die Verbringung des Blindmaterials reibungslos zu gewährleisten.

Ein provisorischer Grabungsleitstand wurde zentral in und bei einem Heustadel eingerichtet, der dankenswerter Weise vom Besitzer kostenlos für die gesamte weitere Expeditionsdauer zur Verfügung gestellt wurde.