Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 20
Die Parallelsondierungen im Hauptgrabungsgebiet schritten so zügig voran, dass aus organisatorischen Gründen ein gesamtarbeitsteiliger Rhythmus von drei Tage graben und zwei Tagen grobsortierenden Siebens, sowie ein Tag für den Abtransport des definitiven Blindmaterials als genereller Arbeitsablauf veranschlagt wurde. Das gewässeranrainende Schwemmland beidseitig des Grillerbachs und seines aus südwesten zuführenden Seitenbaches bestand lediglich an den ufernahen Stellen aus flachem Gelände, während es überwiegend schon nach wenigen Metern hangwärts leicht anstieg, oder aber in Richtung der Pitztaler Ache (Pitze) in ein kontinuierliches, wenn auch kupiertes Gefälle überging. Wider Erwarten bestand lediglich das ufernahe Gelände beidseitig der Wasserläufe und, in einem entsprechend grösserem Geländeabschnitt, im Bereich des Zusammenflusses der beiden Bäche aus typischem Schwemmland, das sich im Wesentlichen aus schotterigen Schichten, vermischt mit Mergel und eingebundenen lehmartigen Soden zusammensetzt. Arbeitserleichternd war die erfreuliche Tatsache, dass die offensichtliche Geschiebekraft des Grillerbaches generell nicht dazu reicht, bis in diesen Unterlauf des Gewässers grossformatiges Geröll und Gestein zu verbringen, wie es etwa noch als typisch im Bereich der bachaufwärts liegenden Grabungshügel Nr. 1 bis 4 vorzufinden war. Zudem stiessen die Grabungen allgemein schon bei einer Tiefe von circa einem ¾ Meter regelmässig auf Felsadern, die zwar nicht durchgehend ausgeformt sind, jedoch siedlungstechnisch jene Basis darstellen, die als fundamentale Grundlage für jedwede Form von hochbautechnischen Massnahmen dienen. Somit erübrigt sich in derartigen Geländeformationen das mechanische Weitergraben, welches ohnehin nur unter Einsatz von schwerem Gerät und Maschinen machbar ist.
Dank des relativ beständigen Wetters und der natürlichen Drainagierung aufgrund der schottrigen Schichten, erübrigte sich eine vollständige Einpölzung der Sondierungsgräben, sodass rasch effektive Fortschritte bei diesen Grabungen erreicht wurden. Der Schwerpunkt der Arbeiten verlagerte sich aus logistischen Gründen somit auf die Untersuchung des Aushubmaterials. Analytisch am interessantesten stellte sich vorab der Geländezwickel des Zusammenlaufs der beiden Bäche dar, da hier erfahrungsgemäss die Wahrscheinlichkeit von Fundungen, entsprechend den gestalterischen und infrastrukturellen Absichten einer von Menschen gegründeten Bereichsniederlassung, am höchsten anzusetzen ist.
Aus diesen Überlegungen heraus wurde die Sickersiebanlage im westlichen Bereich des Hauptgrabungsgebietes aufgebaut, auch wenn dies bedeutete, dass die Verbringung des Materials einen zusätzlichen Wegeaufwand mit sich brachte. Die vorangehende Trockensiebung erfolgte jeweils direkt an den Sondierungsgräben, vermochte jedoch nicht mit der Aushubfülle der jeweiligen Grabungsteams Schritt zu halten. Daher wurden jeweils am Donnerstag und Freitag die Grabungen gestoppt, lediglich Pölz- und kleinere Putzarbeiten in den Gräben wurden durchgeführt, während das Gros der Mannschaft sich ausschliesslich mit den Siebungsarbeiten bzw. dem notwendigen Materialtransport zur Sickersiebanlage befasste.
Da es für diese Grabung keinen behördlich genehmigten Platz für die Deponierung von Blindmaterial gab – eine derartige Genehmigung für die Umwidmung von landwirtschaftlich genutzten Flächen erfordert die Zustimmung des Agrarsenats des Amtes der Tiroler Landesregierung und ist an ein entsprechendes, meist langwieriges behördliches Verfahren gebunden – war es schon aus Platzgründen eine Notwendigkeit jeden Samstag das Blindmaterial auf die gemeindeeigene Aushubdeponie zu verbringen. Dazu musste jedoch vorab mittels Schubkarren das gesamte Blindmaterial von der Sickersiebanlage zum Hauptlagerplatz transportiert und auf Hänger umgeladen werden. Die Verbringung selbst erfolgte durch zwei einheimische Bauern, gegen ein entsprechend vertraglich vereinbartes Entgelt.