Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 21
Die mit den Fundungen der beiden paarweise angeordneten Cult-Objecte einhergehenden Erwartungen vermochten die Motivation der eingeborenen Grabungskräfte durchaus über einen längeren Zeitraum hinweg auf relativ hohem Niveau zu halten, das sich grundlegend bessernde und für diese Region als durchaus „sommerlich“ zu bezeichnende Wetter trug gleichfalls sehr zum Erhalt dieser positiven Grundstimmung bei. Andererseits sind es oft gerade Anfangserfolge bei arteologischen und auch archäologischen Expeditionen welche im näheren und weiteren Umfeld einer Grabung zu überzogenen und nicht realen Fundungserwartungen führen. Hierbei gilt es die ortsüblichen Gepflogenheiten und Vorgangsweisen der einheimischen Medienlandschaft bereits von Beginn einer Expedition an gebührend zu beachten, um auf Dauer gesehen nicht nur eine möglichst seriöse Berichterstattung zu gewährleisten, sondern auch die mediale Unterstützung über den gesamten Expeditionszeitraum hinweg nicht zu verlieren und dergestalt ein entsprechendes Klima zu schaffen, durch das die nachfolgende wissenschaftliche Bearbeitung und Auswertung der Funde positiv in den arteologischen Gesamtkontext mit eingebunden werden kann.
Gerade die Genealogie innerhalb einer Sozietät führt meist zu unbeweisbaren Behauptungen und der Beschönigung von historischen Tatsachen, wenn nicht gar zu einer beinahe bewusste vollzogenen Umkehr von geschichtlichen Fakten, um auf diese Weise die eigene Herkunft zumindest ansatzweise zu heroisieren und damit den eigenen Anspruch auf Ressourcen und/oder vermeintliche kulturelle Überlegenheit zu begründen.
Dies gilt nicht nur für ganze Volksgruppen, sondern ist bereits in den einzelnen Siedlungsstrukturen nachweisbar: Mythen, Märchen und lokale Sagen transportieren – oft in sehr direkter Sprache – die scheinbar begründete Vormachtstellung der eigenen Gruppe, der eigenen Ortschaft, des eigenen Siedlungsgebietes. Diese meist tradiert überlieferten und ausgeformten Genealogien finden selbst heute noch ihren sprachlichen Niederschlag in ortstypischen Witzen und Humoresken, die sich ganz gezielt gegen scheinbare und/oder tatsächliche Besonderheiten benachbarter Gruppen und/oder Siedlungen/Regionen wenden. Typisch dabei ist eine pauschalierende Charakterisierung, die in ihrer Begrifflichkeit sowohl die lokale Verortung, als auch die unterlegene Kulturform vereint. Während diese Form in beinahe allen Kulturkreisen im Kleinen der Festigung der eigenen Identität und damit der Festigung des inhärenten Selbstverständnisses dient, wird umgekehrt bei Begegnungen mit tatsächlichen Fremdkulturen (ethnisch, sprachlich und religiös) jede innerkulturelle Divergenz nach aussen systematisch verneint, bzw. als direkter Affront gewertet, sobald ein solches sozietätimanentes Verhalten von Aussenstehenden, und sei es nur in berichtender Form, beschrieben und kommuniziert wird. Ein derartiges Verhalten wird als unbegründetes Vorurteil, als pauschalierende Wertung empfunden, und führt in weiterer Folge zu Misstrauen und gegenseitiger Ablehnung.
Es ist daher unbedingt erforderlich die lokalen Abläufe der Kommunikation im Gesamtgefüge des jeweiligen Selbstverständnisses zu respektieren, um einerseits so die gegenseitige Akzeptanz zu erhalten und andererseits den Boden für wissenschaftlich erwiesene Erkenntnisse – die häufig eine Korrektur des jeweiligen Selbstbildnisses von Betroffenen verlangen – zu ebnen.
Die jeweiligen Normen und Regeln der Gastfreundschaft dienen dabei als sensible Parameter die bei entsprechender Beachtung wesentlich zu einem positiven Erfolg einer Expedition beitragen. Mit der Einbindung der jeweiligen Öffentlichkeit und durch einen offenen Umgang in der medialen Publizität kann diese Basis dauerhaft gefestigt und der wissenschaftlichen Arbeit zuträglich gestaltet werden.