Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 22/2
Bei jeder Fundung erfolgt sofort nach der Absperrung eine neuerliche kleinmassstabige und genaue topografische Kartierung und Vermessung, um dergestalt das direkte Fundgebiet bis in die kleinsten Details kartografisch zu erfassen und zu dokumentieren. Diese Vorgangsweise erleichtert wesentlich jede Form einer nachgestellten Reduplikation und/oder eines modellhaften Nachbaus, und bietet so die erforderlichen Grundlagen für weiterfolgende wissenschaftliche als auch museale und/oder pädagogische Ansätze. Gerade der moderne museale Zugang mit seinen erlebnisorientierten, aktiven Teilnahmeformen wird auf Dauer vermehrt auf die solid erarbeiteten Grundlagen jeder wissenschaftlichen Tätigkeit vor Ort zurückgreifen, um anhand dieser rekonstruierbaren Basisdaten neben einer visuellen Zugänglichkeit auch das haptische Erleben zu gewährleisten.
Parallel zu dieser spezifischen, kleinräumigen Vermessung und Kartierung erfolgte die Erfassung der entsprechenden Relevanzgrössen in fotodokumentarischer Form durch den Expeditionsfotografen Herrn Herwig Angerer. Dabei wird durch den Einsatz von genormten und standardisierten Vermessungslatten, sowie durch die Ablichtung einer lokalen Tageszeitung die archivarische Sicherstellung für spätere Verwendungen und Anwendungen vorbereitet und sowohl die räumliche als auch zeitliche Dimensionierung nachhaltig fixiert.
Diese beiden Arbeitsschritte wurden unter der Leitung von Mag. Peter Stolz und von Herrn Herwig Angerer vorgenommen. Zwischenzeitlich erfolgte die Einsichtung und Ausschilderung der zuführenden Wegstrecken, sowie die Festlegung der Transportroute für den Abtransport des Aushubmaterials.
Sämtliche Systeme des Bergungscontainers (im exlozierten Lager an der Siedlungsgrenze der Gemeinde Wenns) wurden hochgefahren, sowie die erforderlichen Transportbehältnisse (Tragen, Kühlboxen, Bergekisten) vorbereitet. Ein fabriksneuer Satz von Grabungswerkzeugen wurde nach der Sterilisation in Plastikhüllen verpackt und zum Fundort verbracht.
Vor dem Beginn der eigentlichen Grabungen zur Bergung versammelte Dr. Arkadasch Dag die gesamte Mannschaft im Speisezelt des Lagerbereichs und erklärte allen Beteiligten den genauen Ablauf der weiterführenden Arbeiten. Vier Teams erhielten dabei den Auftrag das spezifische botanische und geologische Umfeld des Fundortes probentechnisch nach den vorgegebenen Parametern zu erfassen, um so die nachfolgenden sparten- und fächerübergreifenden, wissenschaftlichen Untersuchungen zu ermöglichen.
Das eigentliche Grabungsteam, dessen Leitung Dr. Arkadasch Dag übernahm, wurde mit einer Ganzkörperschutzbekleidung, Atemmasken und Schutzbrillen ausgestattet, um jedmögliche Verunreinigung infolge der Bergung von vornherein nach Möglichkeit auszuschliessen und/oder zu minimieren.
Die relevante Grabung selbst erfolgte im schichtspezifischen Abtragungsmodus, wobei die jeweilige Materialabtragung protokollarisch und fotografisch festgehalten wird. Mag. Peter Stolz hatte bei der Absicherung des Sondierungsgrabens der sich südlich an die mobile Grabungsleitstelle anschloss eine lose Schotterschüttung freigelegt, die aufgrund ihres Fehlens von sandigen oder mergeligen Einlagerungen seine Aufmerksamkeit erregte. Diese Schüttung lagerte in abfallender Richtung zum Ufer des Grillerbachs hin und reichte bis auf den gewachsenen Felsen. Die Freilegung dieser Schüttung ergab eine Breite von 3,5 bis 3,7 m in west-östlicher Richtung und erstreckte sich über sieben Meter bis hin zum Uferbereich des Grillerbachs. Die Schüttung selbst bestand ausschliesslich aus runden Kieseln, mit einer Rollierung zwischen zwei und 3,7 cm. Die Längsbegrenzungen bestanden aus Trockenmauerungen, welche im östlichen Teil jedoch nur mehr in rudimentären Fundamentresten vorhanden waren, während sie im westlichen Verlauf nahezu unbeschädigt freigelegt werden konnten. Das Fehlen jeglicher Binde- oder Verdichtungsmittel verweist auf einen statischen Baukörper ohne bewohnbarer Zweckmässigkeit.