Pitztal, Juli - Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 22/4

Pitztal, Juli – Oktober 1999, Ausgrabungsprotokoll 22/4

Die Gemeindeleitung der Gemeinde Wenns stellte dem Team dankenswerter Weise ein kleines Büro mit Internetanschluss zur Verfügung, so dass es nunmehr zu den Amtsstunden möglich war, weltweit mit wissenschaftlichen und universitären Partnern auf kurzem Wege zu kommunizieren. Zudem verfügte diese Expedition erstmalig über ein geeignetes digitales Fotografiesystem, welches neben einer Kamera und den dazugehörenden Objektiven auch die arteologisch standardisierte Version des wissenschaftlichen Pictura-Programms beinhaltete, welches es ermöglichte entsprechende Bildausschnitte zu bearbeiten, zu vergrössern und zu versenden.

Der Expeditionsfotograf und Aquarellist Herwig Angerer fertigte eine Serie von 20 wissenschaftlichen Aufnahmen von beiden gefundenen Extremitäten an, unter strenger Wahrung sämtlicher hygienischen und mikroklimatologischen Bestimmungen. Dies bedingte, dass er sämtliche Aufnahmen am 13. September 1999 im geschützten und abgeschotteten Bereich des Bergungscontainers umsetzte. Dabei wurde auf eine genaue Einhaltung der Kerntemperaturen der Fundstücke, als auch auf eine stabile Raumtemperatur von 4 ° Celsius geachtet, sowie auf eine Luftfeuchtigkeit zwischen 19 und 23 %. Dieser Prozentsatz hat sich als der optimale Feuchtigkeitsgrad der Umgebungsluft bei Untersuchungen ad objectum herausgestellt, da bei diesem Feuchtigkeitsgehalt die Übertragung von Pilzsporen oder bakteriologische Kontaminierungen weitestgehend auszuschliessen sind. Allerdings wird dieser Feuchtigkeitsgrad relativ schnell durch die Atemluft des jeweiligen wissenschaftlichen Personals erreicht, so dass es sich nach Möglichkeit generell empfiehlt in gänzlich abgeschlossenen Laborsystemen, unter absoluter Schutzatmosphäre diesbezüglich zu arbeiten.

Dieser Aufwand ist vor Ort bei Expeditionen nicht zu bewerkstelligen. Es gilt daher nur jene Erstanalysen und Datenerfassungen durchzuführen, die a priori unabdingbar für die fundtechnische Relevanz und den weiteren Expeditionsverlauf insgesamt sind.

Mittels Email konnten sowohl die Fotos als auch Erstdaten in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1999 verschickt werden und bestätigten mit den in den folgenden Tagen eintreffenden Antworten die pathologische Erstdiagnose des Expeditionsarztes Dr. Armin Lengauer.

humanoider fund, pitztal 1999, dr. arkadasch, arteologieBei beiden Extremitäten handelt es sich eindeutig um humanoide Funde. Die Anthropologin Frau Dr. Marga Sudanavesi ordnet in ihrer Erstbefundung der übermittelten Daten beide Extremitäten als weiblich und zu einer einzigen Hand gehörig ein. Trotz der kalkhaltigen Belagsschicht ergab bereits ihre anatomische Vergleichsanalyse eindeutige Charakteristika einer spezifisch, individuellen Formung, die bei beiden Extremitäten die Zusammengehörigkeit manifestiert. Sowohl von der zugrundeliegenden Knochenstruktur, als auch der Ausformung der Nagelbette und der Flächentextur der Oberhautschicht, ist auf Finger Nummer drei (Mittelfinger) und Finger Nummer vier (Ringfinger) einer linken, weiblichen Hand zu schliessen.

Die ersten drei, unabhängig voneinander durchgeführten Altersbestimmungen der beiden humanoiden Funde durch das Pathologische Institut der Universität Innsbruck, der Kriminaltechnologischen Abteilung des Gerichtsmedizinischen Instituts der Universität Warschau und des Arteologischen Instituts der Freien Universität Izmir ergaben übereinstimmend eine zeitliche Zuordnung zur Epoche der Arteologischen Zeit.

Durch den Mangel an direkt in Zusammenhang stehenden weiteren Fundungen im Rahmen dieser Fundstelle muss der genauen und interdisziplinären Untersuchung dieser humanoiden Fundstücke und der einschlägigen Analyse und Bewertung des lokalen Umfeldes ein um so grösseres Augenmerk zuerkannt werden