Arteologische Kontextbefundung der fundrelevanten Grabungsergebnisse der Grabungsstelle „Pitztal“,

Arteologische Kontextbefundung der fundrelevanten Grabungsergebnisse der Grabungsstelle „Pitztal“,

Arteologische Kontextbefundung der fundrelevanten Grabungsergebnisse der Grabungsstelle „Pitztal“, Team „Pitztal“; Bearbeitungsstatus: Jänner 2000.

1.    Primäre Gesamtsichtung der inhumanoiden Artefakte in Bezug auf besiedlungstechnische und habitatsimmanente arteologische Strukturen:

Die Funde der Grabungsstelle „Pitztal“ lassen sich in drei Kategorien einteilen:

1)     metallene Miniaturen

und:

2)     rituelle Felsritzungen

3)     humanoide Funde

Die Expedition in das „Pitztal“ (einem vom Inntal nach Süden eingeschnittenem Seitental) war die sechste Expedition im Rahmen der arteologischen Expeditionen unter der Leitung von Dr. Arkadasch Dag und unter der Patronanz des Arteologischen Instituts der Freien Universität Izmir. Im Gegensatz zu den bisherigen Expeditionen im Raum Nordtirol unterscheidet sich diese Expedition durch einen relativen Mangel an inhumanoiden Funden, gleichwohl die vorgefundenen Artefakte aus sich heraus von bedeutender arteologischer Wertigkeit sind. Dies wird auch durch die grosse Anzahl von Fundungen belegt, die in den Jahren 1992 bis 1996 vom Archäologischen Institut der Universität Innsbruck im Gebiet des Piller Sattels durchgeführt wurden. Die dabei zutage getretene interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen dem Archäologischen Institut der Universität Innsbruck und dem Arteologischen Institut der Freien Universität Izmir (vgl. „Arteologischer Abschlussbericht der fussläufigen Erkundungsexpeditionen im Gebiet der Nordtiroler Alpen in den Jahren 1987 – 1991“, Freie Universität Izmir, Arteologisches Institut, Dr. Arkadasch Dag) wird sowohl aus archäologischer als auch arteolgischer Sicht zu zahlreichen neuen Erkenntnissen in der genuinen Habitatsstruktur dieser zentralalpinen Region führen, als auch unter Berücksichtigung der transalen und insistalen ethnologischen Beeinflussungen neue Theorien und/oder Antworten auf bisher ungeklärte Problematiken und Fragestellungen bieten. An dieser Stelle sei Dr. Stephan Rheinthaler vom Archäologischen Institut der Universität Innsbruck und seiner Gruppe von Studierenden bedankt, die sich bereichernd im Rahmen ihres Seminars in die Arbeiten dieser arteologischen Expedition über mehrere Wochen eingebracht haben.

Der Nutzungscharakter der Fundstellen im Pitztal weist die typischen Merkmale einer inneralpinen Mangelbewirtschaftung auf, die sich im wesentlichen auf Land-und Forstwirtschaft (mit dem Hauptaugenmerk auf primäre Eigenversorgung) beschränkt, wobei auch hier die typische halbnomadische Eigenheit des sommerlichen Viehtriebs auf höher gelegene Bergweiden sich bis heute erhalten hat. Die archäologischen Funde am Piller Sattel belegen zwar durch ihre rituelle Ausformung eine der Sesshaftigkeit zugeordnete Tradierung, die über mehrere Generationen hin sich ausgebildet hat, entsprechen jedoch in ihrer Gesamtheit dem halbnomadischen und auch im Sammler- und Jägertum verhaftetem Kulturspezifikum, wobei keinesfalls ausser Acht gelassen werden darf, dass sämtliche dieser Erscheinungsformen auf das topografisch klar durch die umgebende Bergwelt begrenzte Umfeld rund um das Pitztal zu beziehen sind.

Es ist davon auszugehen, dass die Bevölkerung des Pitztals in Arteologischer Zeit sich auf wenige Familien/Clans beschränkte, welche die dauerhafte Besiedelung dieser Talschaft darstellten. Lediglich über den Piller Sattel bzw. den weitaus gefährlicheren und auch beschwerlicheren, und zudem nur in den Sommermonaten passierbaren Übergängen über den Alpenhauptkamm nach Süden (Alto Adige, Südtirol, Italien) erfolgte sowohl ein merkantiler als auch soziokultureller Austausch. Inwieweit es hier bis in das beginnende 20. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zu einer nachhaltigen immigrativen Vermischung kam, lässt sich per dato noch nicht zweifelsfrei nachvollziehen. Während es beispielsweise im Stubaital zu eigenständigen Weiter- und Fortentwicklungen der handwerklichen Fähigkeiten und auch der verwendeten Formensprache bei der Materialbearbeitung kam, lassen sich (auch auf Grund fehlender Fundungen) derartige innovative Vereinnahmungen externer Beeinflussungen im Pitztal nicht nachweisen. Zwar belegen die Funde der beiden diametral-dual angeordneten Cult-objecte eindeutig die Übernahme und/oder Akzeptenz von aussergemeinschaftlichen Kultformen in den alltäglichen Lebensablauf der eingeborenen Bevölkerung, jedoch mangelt es andererseits im artefaktoriellen Bereich an einer stringenten, weiterführenden und inhärenten, lokaltypischen Adaption.

Vergleicht man jedoch die bauliche Sorgfalt und lagertechnische Verbringung der Cult-objecte mit den bisherigen Fundungen in Nordtirol, ist zweifelsfrei eine zumindest opportune Übernahme sowohl von kultischen Traditionen als auch rituellen Gepflogenheiten deutlich erkennbar. Der dabei offensichtliche Mangel an eigenständiger Entwicklung entspricht der allgemeinen Beschränktheit des gesamten nordtirolerischen Entwicklungszyklus, der nicht zuletzt auf Grund seiner topografischen Voraussetzungen letztendlich auf fortlaufende Impulse von ausseralpinen Beeinflussungen angewiesen war und ist. sonnenrad_fundzeichnung, pitztal 1999, dr. arkadasch, arteologieBesonders deutlich wird dies durch die Auffindung der „Pitzer-Steine“ belegt, die sowohl sprachlich als auch inhaltlich eindeutig die transale und über viele Jahrhunderte hinweg andauernde Beeinflussung durch regelmässige Kontaktierungen mit Wandergruppen aus dem heutigen italienischen Raum belegen. Ohne diese italische Komponente (Dr. Arkadasch Dag) und die immanente opportune Anpassungsfähigkeit der eingeborenen Bevölkerung wäre auf Dauer ein Überleben der eingeborenen Bevölkerung dauerhaft nicht vorstellbar.

2.    Arteologische Befundung des humanoiden Fundes der Grabung „Pitztal“:

Bei den an der Grabungsstelle „Pitztal“ gefundenen beiden Fingern (nummer drei und vier) handelt es sich um zwei zu einer linken Hand gehörenden Fingern einer erwachsenen, eingeborenen femininen Person.

a)    Sowohl die dermatologischen als auch molkularen Analysen ordnen beide Finger als eindeutig zu einer einzigen Person gehörend zu. Der Pigmentabgleich und die röntgenologischen Aufnahmen belegen die Zugehörigkeit zum indogermanischen Typus.

b)    Die Gewebsproben ergaben keinerlei Hinweis auf ausseralpine Insperminationen, sodass anhand eines Vergleichs mit den bisherigen humanoiden Fundungen in Nordtirol eine ausseralpine Herkunft dieser weiblichen Person definitiv ausgeschlossen werden kann.

c)    Der besondere Umstand, dass es sich bei dieser Fundung (erstmalig) im Nordtiroler Raum um einen weiblichen humanoiden Fund handelt, kann zurzeit lediglich per theoretischem Ansatz diskutiert werden. Generell ist fest zu stellen, dass sowohl historisch betrachtet, als auch unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung wir von einer durchaus strengen patriarchalisch-hierarchischen soziokulturellen Struktur ausgehen müssen – so ist etwa im bäuerlichen Milieu heute noch die Erbfolge an den erstgeborenen Sohn durchaus üblich und auch gewünscht – , welche die Rolle der Frauen überwiegend auf den Bereich der Haushaltführung und Kinderbetreuung beschränkt. Dies wird auch deutlich in den drei „K“, welche den Frauen nach wie vor zugeordnet werden: Kinder, Küche und Kirche. Im gesellschaftlichen Leben sind auch heute noch die Frauen in Nordtirol extrem unterrepräsentiert, wie etwa deutlich in den demokratischen Einrichtungen und diversen Vereins- und Traditionsverbänden ersichtlich wird. Die Selbverständlichkeit wie dieses Rollenbild von den meisten Frauen unwidersprochen nach wie vor prolongiert wird, lässt auf eine Jahrhunderte lange, tradierte Verinnerlichung dieser Verhaltensweisen schliessen. Inwieweit daher dieser weibliche, humanoide Fund auf genuin gewachsene Partizipation rückführbar ist, oder aber  – und dies erscheint unter Berücksichtigung aller vorhandenen Tatsachen wesentlich wahrscheinlicher – einer assimilativen Übernahme von extern übernommenen, und wohl auch kultisch bedingten Adorationsformen („Mutterkult“) geschuldet ist, kann zum gegebenen Zeitpunkt noch nicht abschliessend beurteilt werden.

d)    Generell bleibt anzumerken, dass der Mangel an Eigenständigkeit und genuiner Entwicklung einen nicht nur für diesen Teil Nordtirols immanenten und wohl auch der geographischen Abgeschiedenheit geschuldeten Faktor darstellt, sondern vielmehr eine lokale Eigenheit darstellt, die sich auch heute noch in einem unnatürlich und oft engstirnig anmutenden Lokalpatriotismus niederschlägt.