Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 1
Die Arteologische Ausgrabung „Kitzbühel“, Juni bis Oktober 2003
Kitzbühel, Juli – Oktober 2003, Ausgrabungsprotokoll 1
Im Jahr 2001 wurde von den „Österreichischen Bundesbahnen“ (ÖBB) der Streckenabschnitt zwischen Wörgl (Nordtiroler Unterland), über die Tiroler Grenzgemeinde Fieberbrunn in das östlich benachbarte Bundesland Salzburg (Österreich) abschnittsweise einer elektrotechnischen Erneuerung unterzogen. In diesem Zusammenhang kam es im Gemeindegebiet der Stadtgemeinde Kitzbühel im Rahmen von Kabelverlegungsarbeiten entlang der Gleisführung bei den Aushubarbeiten zur Entdeckung von historisch nicht unmittelbar zuordenbaren Fundamentfunden. Es ist dabei den strengen gesetzlichen Vorgaben der österreichischen Bundesverwaltungsbehörden zu verdanken, die in derartigen Fällen rigoros die Beiziehung von archäologischen Begutachtern verlangt, ohne deren Einwilligung jede Fortführung von weiteren Baumassnahmen untersagt bleibt, dass die dabei entdeckten Fundamentreste im Eilverfahren gesichtet, fotografiert, im Gipsgussverfahren dupliziert und fundtechnisch untersucht wurden. Zudem wurde verfügt, dass die weiterführenden Kabelverlegungen an der gegenüberliegenden Seite des Gleisverlaufs fortzuführen sind, um etwaige Fundungen zu einem späteren Zeitpunkt nicht zu gefährden.
Diese Sichtungs- und Bergungsarbeiten wurden von Dr. Stephan Rheinthaler vom Archäologischen Institut der Universität Innsbruck geleitet. Bereits seine ersten Analysen belegten dabei eine hohe arteologische Relevanz und er nahm umgehend mit dem Arteologischen Institut der Freien Universität Izmir unter Dr. Arkadasch Dag Kontakt auf, um in einer abgesprochenen Vorgangsweise die weiteren notwendigen wissenschaftlichen Schritte zu koordinieren. Dr. Arkadasch Dag reiste mit einem kleinen Expertenteam noch im Mai 2001 nach Kitzbühel und konnte so vor Ort mittels gezielter Sondierungsgrabungen das relevante Fundgebiet eingrenzen. Dadurch war es auch den Österreichischen Bundesbahnen möglich ohne grösseren Zeitverlust die anstehenden infrastrukturellen Arbeiten in diesem Bauabschnitt vor Einbruch des Winters abzuschliessen.
Bereits in den folgenden Monaten des Jahres 2001 konnte daher nach den entsprechenden Verhandlungen mit den jeweiligen Grundeigentümern (die ÖBB, eine angrenzende Parzelle weist die Gemeinde Kitzbühel als Grundeigentümerin aus und das nordöstlich angrenzende, landwirtschaftlich genutzte Grundstück befindet sich im Besitz einer privaten Erbgemeinschaft) ein Nutzungsvertrag mit explizitem Grabungsrecht für das Arteologische Institut der Freien Universität Izmir in einem feierlichen Akt im Amt der Tiroler Landesregierung, im Beisein der Türkischen Botschafterin, Frau Dr. Avcic Günsel und des Landeshauptmanns des Bundeslandes Tirols, Herrn Dr. Wendelin Weingartner, unterzeichnet werden.
Mit dem Wintersemester 2001 begannen die entsprechenden Vorbereitungen dieser insgesamt siebten arteologischen Expedition nach Nordtirol. Die Leitung dieser Expedition wurde wiederum Dr. Arkadasch Dag übertragen, dem auch die Leitung sämtlicher bisheriger Nordtiroler Expeditionen oblag. Zum ersten Mal beteiligte sich dabei das Bundesland Tirol finanziell an der Gestehung dieser Expedition. Dies ist sicherlich mit ein Ergebnis sowohl der bisherigen wissenschaftlich-arteologischen Arbeit seit den Jahren 1982 in Nordtirol, als auch der begleitenden populärwissenschaftlichen Aufbereitung sämtlicher dabei freigelegter Funde und deren medialer als auch (in Ansätzen) musealer Präsentation für eine breite, interessierte Öffentlichkeit. Gerade in der heutigen Zeit ist es unumgänglich die wissenschaftliche Arbeit in ihrer Sinnhaftigkeit entsprechend zu positionieren, um dadurch jene breite Aufmerksamkeit zu erlangen und zu erhalten, die in weiterer Folge zum einen das unabhängige Primat der freien Lehre garantiert und zum anderen jenes Verständnis und positive Wohlwollen innert der betroffenen Sozietäten gewährleistet, ohne die eine moderne arteologische Forschung insgesamt nicht zielführend umgesetzt werden kann. Denn in den seltensten Fällen werden dabei die bestehenden eigenen Vorstellungen und oft auch Mythen der betroffenen lokalen Bevölkerungsgruppen bestätigt – wesentlich häufiger kommt es dabei zu einer bisher nicht vorstellbaren Neudeutung und Neudefinierung der eigenen Genese, die teilweise sogar diametral dem eigenen Selbstverständnis grundlegend widerspricht. Die Miteinbeziehung der arteologischen Erkenntnisse kann und darf dabei nicht auf spezifische Traditionen und Sitten, sowohl im soziokulturellen als auch kultischem Bereich Rücksicht nehmen. Diesen Herausforderungen hat sich jede wissenschaftliche Forschung stets aufs Neue zu stellen.